Oskar Dirlewanger wurde am 26.09.1895 in
Würzburg/Bayern als Sohn eines Kaufmannes geboren und legte 1913 standesgemäß
sein Abitur ab. Als Deutschnationaler tritt er am 01.10.1913 als Einjährig
Freiwilliger der MG-Kompanie des Grenadier-Regiments 123 bei. Mit dieser
Einheit nimmt er am Einmarsch in Belgien und Frankreich im Jahre 1914 teil.
Dort wird er 1915 als Zugführer am Fuß und an der linken Hand verwundet und
dadurch als zu 40% kriegsbeschädigt eingestuft. Mittlerweile zum Leutnant
befördert findet er ab dem 01.11.1916 Verwendung als Ausbilder bei MG-Kursen.
Wenig später meldete er sich trotz seiner Behinderung freiwillig an die Front
und übernimmt dort eine Sturm- bzw. MG-Kompanie. Dirlewanger erhielt als junger
Offizier die Eisernen Kreuze beider Klassen.
Bei Kriegsende an der Ostfront eingesetzt, schlägt sich die 2. MG-Kompanie des
Infanterie-Regiments 121 unter Dirlewangers Führung über Rumänien nach
Deutschland zurück. Im Jahre 1919 nach Deutschland zurückgekehrt nimmt er im
gleichen Jahr ein Studium an der Handelshochschule in Mannheim auf. Ins zivile
Leben kehrte er dennoch nicht völlig zurück so nahm er an der Niederschlagung
der revolutionären Arbeiterbewegungen in den Jahren 1919 und 1920 teil. Dabei
kommandierte er einen Panzerzug, bestehend aus Studenten, den er im Rahmen der
württembergischen "Verkehrswehr" aufgestellt hatte. In den Anfängen
befanden sich im Übrigen zahlreiche Angehörige seiner MG-Kompanie, die er bei
Kriegsende anführte. So bekämpft er Panzerzug Dirlewanger die Aufständischen
im Ruhrgebiet im Jahre 1920. Nachdem dort der Kapp-Putsch niedergeschlagen
wurde beherrschte die "Roten
Ruhrarmee" weite Teile des Ruhrgebietes. Zur Bekämpfung dieser Armee
wurde die Reichswehr-Brigade 13 unter General Haas und die
Freiwilligen-Abteilung Sprösser entsandt. Arbeiter von Daimler-Benz in
Untertürkheim versuchten den Bahntransport der Einheiten zu verhindern.
Dirlewangers Panzerzug griff ein und sicherte so den Transport der
Reichswehr-Einheiten. Weitere Einsatzorte waren Dortmund, Iserlohn und Essen.
Beim "weißen Terror" der Reichswehr kam es in Pelkum zu einem Massaker
durch die Reichswehr-Schützen-Brigade 21 (ehemals Freikorps Epp) und des
Reichswehr-Schützen-Regiments 41. Beteiligt an diesen Kämpfen war auch der
Panzerzug IV "Dirlewanger". Im März 1921 rückte der Panzerzug auf
Sangershausen vor, das im Zuge der revolutionären Auseinandersetzungen durch
Max Hoelz mit seinen Arbeitern besetzt war. Ein Angriff Dirlewangers schlägt
fehl. Außerdem gelingt es den Aufständischen den Panzerzug zu isolieren.
Nachdem für diesem in der Nacht Verstärkung eintrifft, ziehen sich die
Arbeiter aus der Stadt zurück. Die Besatzung des Panzerzuges übte daraufhin
Rache an den verbliebenen Arbeitern und misshandelte viele. Bei diesem Einsatz
wurde Dirlewanger durch einen Streifschuss am Kopf verwundet Nach der
Machtübertragung auf die NSDAP wird Dirlewanger als "Befreier" der
Stadt vom roten Terror geehrt. Ein Platz erhielt seinen Namen. Schon hier
zeigte sich die eindeutige Ruhmsucht Dirlewangers. Er versuchte auch sein
Draufgängertum immer an gebührender Stelle herauszustellen.
Kurze Zeit nach dem Kampf um Sangershausen wird er für 2 Wochen wegen
Beiseiteschaffens von Waffen inhaftiert und meldet sich nach seiner
Freilassung sofort beim Freikorps Holz, mit der er im Juni 1921 bei den
deutsch-polnischen Auseinandersetzungen in Oberschlesien noch zum Einsatz
kommt. Im gleichen Jahr konnte er sein Studium als Diplomvolkswirt
abschließen. Jedoch hatte er zuvor von der Handelshochschule Mannheim einen
Verweis wegen "antisemitischer Hetze" erhalten. Ein Jahr später
promovierte er 1922 in Frankfurt/Main zum Dr. rer. pol.
Zunächst arbeitete Dirlewanger als Volontär bei Banken in Osterburken und
Stuttgart und erhielt dann 1925 eine Anstellung bei der schwäbischen Treuhand
AG in Stuttgart. Danach wechselte er als Geschäftsführer der Firma Kornicker
nach Erfurt, wo er am 31.12.1931 ausschied um bis Juli 1933 als
selbstständiger Steuerberater zu arbeiten. Sein Ausstieg aus dem
Bankengeschäft war aufgrund verschiedenster Vergehen unumgänglich und auch in
der jüdischen Firma Kornicker fiel er durch Unterschlagung von mehreren
tausend Mark auf. Dirlewanger hatte bspw. Gehaltskürzungen der Angestellten
auf sein privates Konto transferiert. Das man sich unter der Hand gütlich
einigte und Dirlewanger die Summe zurückzahlte verhinderte ein
Gerichtsverfahren.
Dirlewanger war bereits am 01.10.1922 der NSDAP beigetreten, wurde aber
aufgrund eines Vergehens gegen das Entwaffnungsgesetz ausgeschlossen, trat
aber 1926 erneut der Partei bei. Während Hitlers Putschversuch 1923 versuchte
Dirlewanger mit den Straßenpanzern der Polizeiwehr Stuttgart nach München zu
kommen, was ihm jedoch misslingt. In den Dreißiger Jahren unterstützt er den
späteren SS-Brigadeführer Gottlob Berger bei der Bewaffnung der SA und SS in
Württemberg, Baden und der Pfalz. Weiterhin hält er den Kontakt zu "seinem"
Panzerzug aufrecht und versichert Himmler seine Unterstützung. Himmler trägt
Dirlewanger dann die Aufgabe zu die Standort der restlichen 11 Panzerzüge des
Bahnschutzes im Reich herauszufinden und die politische Einstellung der
Besatzung in Erfahrung zu bringen.
Dirlewanger war ebenfalls SA-Mann im SA-Sturmbann 1/122, mit dem er unter
anderem das Esslinger Gewerkschaftshaus überfällt, weswegen er im Dezember
1932 wegen Landfriedensbruch vor Gericht steht.
Nach Machtantritt der NSDAP erhielt Dirlewanger als "alter Kämpfer"
sofort eine lukrative Anstellung beim Heilbronner Arbeitsamt, wo er zunächst
Abteilungsleiter und später stellvertretender Direktor wurde. Als erstes
Arbeitsamt Deutschlands konnte Dirlewanger melden, daß die SA- und
Frontkameraden restlos in Arbeit und Brot standen. Trotz dieser "Erfolge"
versinkt er in Intrigen und Korruption. Sexuelle Kontakte und Alkoholismus
führen schließlich zu einem SA-Disziplinarverfahren am 05.05.1934 wegen
abfälliger Bemerkungen zu Mitgliedern des Brigadestabes der SA-Brigade 155.
Selbst in der rüden SA gilt Dirlewanger als "Stänkerer und Schwätzer [...]
als böser Geist in Heilbronn [...].". Dirlewanger hatte anlässlich seiner
Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Sangershausen, mit seinen Kollegen des
Arbeitsamtes ein Saufgelage veranstaltet und anschließend mit seinen zwei
Dienstwagen zwei Unfälle verursacht, bei denen Personen zu Schaden kamen.
Weiterhin wurde ein verbrechen wegen Unzucht an einem dreizehnjährigen
BDM-Mädchen bekannt. Trotz seiner "Verdienste" als Soldat,
Freikorpskämpfer und SA-Mann kam man nicht umhin Dirlewanger zu einer
zweijährigen Zuchthausstrafe zu verurteilen. Hinzu kam noch ein Monat
Zuchthaus für die nun doch anhängig gewordenen fortgesetzten Unterschlagungen
in der Firma Kornicker. Mit dieser Verurteilung verlor Dirlewanger seinen
Doktortitel, seine militärischen Ehren, seine Ehrenbürgerschaft, seine
Parteimitgliedschaft und seine Anstellung beim Arbeitsamt.
Während seines Aufenthaltes im Zuchthaus Ludwigsburg versuchte er eine
Wiederaufnahme des Verfahrens wegen des Sittlichkeitsverbrechen am
BDM-Mädchen, da ihn diese angeblich über ihr Alter getäuscht habe. Dirlewanger
vermutete eine Verschwörung hoher NSDAP-Funktionäre um den NSDAP-Kreisleiter
Drauz und dem Gauleiter Murr. Als offensichtlich unbegründet wurde die
Revision am 08.01.1935 vom Reichsgericht zurückgewiesen. Dirlewanger
beschwerte sich in der Führungskanzlei und bei Himmler. Anscheinend hatte ihn
Murr deswegen in das Schutzhaftlager Welzheim verbracht, weil er fürchtete das
Dirlewanger Angaben zu Murrs Verfehlungen machen könnte. Am 10.03.1937 wird er
dann jedoch wieder entlassen. Diese Entlassung geht auf den Intimfeind Murrs,
Gottlieb Berger, zurück, der mit Dirlewanger im 1. Weltkrieg im gleichen
Regiment diente.
Auf Anraten Bergers meldet sich Dirlewanger zur spanischen Fremdenlegion und
tritt in Spanien der "Legion Condor" bei. Zugute kam ihm dabei, das
sich der ehemalige Bataillonskommandeur Dirlewangers in der Legion befand. Von
April 1937 bis Mai 1939 ist er Soldat in der Panzer-Einheit "Imker" und
in den Ausbildungslagern meist als Kompanie-Führer tätig. Ein stets tadelloses
Verhalten soll ihm der Kommandeur der Panzertruppen Oberst Ritter von Thoma
bestätigt haben. Im November 1937 wurde er jedoch in Toledo festgenommen und
unter Begleitung eines Gestapoangehörigen in die Heimat gebracht. Dort
bedauerte General Willberg, im RLM, Dirlewangers Ausscheiden aus der Legion.
Dirlewanger wiederum setzte sich erneut mit der Kanzlei des Führers in Kontakt
und bat um sofortige Aufklärung. Auf Betreiben von Thomas und des
SS-Standarteführers Brack vom Sonderstab W wurde Dirlewanger jedoch wieder zur
"Legion Condor" versetzt und wurde wieder im Kampf verwendet.
Mit dem Spanienkreuz ausgezeichnet gelingt es ihm, nun sicherlich mit
Unterstützung interessierter Stellen, eine Wiederaufnahme des Verfahrens vor
dem Landgericht Stuttgart. Im Zuge der Neuverhandlung wird er, trotz "nach
wie vor nicht unerheblicher Verdachtsgründe" aus Mangel an beweisen am
30.04.1940 freigesprochen. Das ursprüngliche Urteil wird aufgehoben. Das
Urteil erschien so wenig überzeugend, daß sich die Universität Frankfurt/Main
zunächst weigerte ihm die Doktorwürde anzuerkennen. Auf Betreiben des
Reichsministers für Wissenschaft und Kultur erhält er seinen Doktortitel
zurück, ebenso wie seine Mitgliedschaft in der Partei.
Aufgrund des zu befürchtenden Kriegsbeginns, hatte Dirlewanger zunächst das
Problem aufgrund der "Wehrunwürdigkeit" nicht an den Kampfhandlungen
teilzunehmen, da die Revision noch nicht vollzogen war. Er intervenierte bei
Himmler und bat dennoch um Erlaubnis in den Dienst der Waffen-SS treten zu
können. Jedoch verging die Zeit bis zum 17.05.1940 bis ein "Justizirrtum"
eingestanden wurde. Er solle schnellstmöglich zur Waffen-SS eingezogen und
schnellstens einer Frontverwendung zugeführt werden.
Gottlob Berger empfahl für Dirlewanger die Verwendung als Ausbilder für die
der Wilddieberei Angeklagten, um diese zum Fronteinsatz kommen zu lassen.
Dem von ihm aufgestellten Verband gehörten zunächst aufgrund der Wilddieberei
Angeklagte an, bzw. aufgrund kleinerer Delikte verurteilte Angehörige der
Waffen-SS, die sich in dieser 2. SS-Sturmbrigade "Dirlewanger"
(früher "Wilddieb-Kommando "Oranienburg", oder "SS-Sonderformation
Dirlewanger")
rehabilitieren konnten.
Später kamen Bewährungssoldaten der Wehrmacht hinzu. Allein Dirlewanger und
die aus SS-Verbänden stammenden SS-Soldaten waren Soldaten der Waffen-SS, die
anderen Soldaten Angehörige ihrer jeweiligen Waffengattung.
Nach zweimonatiger Ausbildung kam das Kommando in den Verwaltungsbezirk
Lublin. Als Führer- und Unterführerstellenbesetzung versuchte man straf- oder
diziplinarrechtlich aufgefallene SS-Leute zur Bewährung einzustellen.
Die anfängliche Stärke des Kommandos lag bei 80 Mann. Sie sollten
vornehmlich zur Bekämpfung von Banden und ausgebrochenen Sträflingen aus dem
Gefängnis Warschau eingesetzt werden. Schnell wurde das Kommando berüchtigt
für seine Methoden im Raum Dzikow-Stary Dirlewanger, von seinen Leuten auch "Ghandi"
genannt, selbst verhörte
Festgenommene (ohne schriftliche Unterlagen), klärte die Sachlage und
überführte sie nach Zamosz. Dirlewanger unterhielt dabei zusammen mit anderen
Wildschützen den Tatbestand der Wilddieberei, des Schwarzhandels und der
Plünderung. So inhaftierte Dirlewanger Juden in einem eigens von ihm
errichteten Gefängnis und liess diese gegen Zahlung von Lösegeld wieder frei.
Das Geld wanderte freilich in seine eigenen Taschen. Diese Vorwürfe wurden von
einem SS-Hauptscharführer bestätigt, der sich in einem anonymen Brief über
diese Machenschaften beschwerte. Mit Rücksicht auf seine Frau und seine Kinder
wolle er seine Identität erst lüften, wenn er genügend außer Schussweite
Dirlewangers und seiner Unterführer sei, da es ihm zu leicht erschiene ihn
verschwinden zu lassen. Die Folge war eine Untersuchung durch das zuständige
SS-Gericht VI des Höheren SS- und Polizeiführers Krakau, mit dem dort
ansässigen SS-Richter Konrad Morgen. Doch kaum hatte dieser seine Ermittlungen
begonnen, zog das SS-Hauptamt die Ermittlungen an sich. Der neue
Gerichtsführer handelte im Auftrag von Gottlob Berger und war sichtlich bemüht
Dirlewanger zu entlasten wo er nur konnte. Morgen sagte in einer
eidesstattlichen Erklärung im Jahre 1947 aus, das Dirlewanger unerhörte
Grausamkeiten im Lubliner-Bezirk vornahm. Plünderungen, Mord, Erpressung und
Vergewaltigung. Selbst der dort ansässige Chef der Gestapo betrachtete die
Grausamkeiten mit Argwohn.
Dirlewanger gab weiterhin in einem Brief zu 57 Juden vergiften zu lassen (in
angeblicher Absprache mit zuständigen Brigadeführer Globocnik), um deren
Bekleidung für andere Zwangsarbeiter zu sichern. Weiterhin wurden auf seinen
Befehl hin, sämtliche Goldzähne herauszubrechen, um den SS-Männern
ordentlichen Zahnersatz zu bieten. Globocnik wollte davon, anlässlich einer
SD-Untersuchung, nichts mehr wissen. In dem Brief führt er weiterhin den
Gegensatz aus das er einerseits angeblich mit Jüdinnen sexuelle Beziehungen
haben soll, auf der anderen Seite aber Juden ermorden liess.
Dirlewanger brachte seine Soldaten dazu Verbrechen zu vollführen und versuchte
auf der anderen Seite durch drakonische Maßnahmen Zucht und Ordnung aufrecht
zu erhalten. Diese Maßnahmen sollten aber wohl eher den Vorgesetzten zeigen,
das Dirlewanger bestrebt war militärische Ordnung vorherrschen zu lassen. In
Wirklichkeit sah es anders aus. Dirlewanger übergab erneut strafrechtlich
aufgefallene Männer nicht wie vorgeschrieben einem SS-Gericht überstellte,
sondern selbst zum Gerichtsherr wurde, daß er dabei nach Gutdünken handelte
dürfte klar sein. Er nutze dabei des Öfteren das Standrecht. Das Vorgehen
wurde stellenweise auch durch vorgesetzte Stellen legitimiert. Waren die
meisten Soldaten des Kommandos doch Straftäter, die den "normalen" Weg
eher als Schwäche auslegen würden. Andere Quellen berichten gar von einem im
jahre 1940 durch Adolf Hitler zugesprochenen Recht, der eigenen
Gerichtsbarkeit über seine Männer.
Das Sonderkommando erhielt also im Spätsommer und Herbst 1940 den Auftrag
jüdische Zwangsarbeiter im Raum im Raum Belzec bei Festungs- und
Entwässerungsaufgaben zu bewachen. Außerdem wurde ihm das im Grenzgebiet zur
Sowjetunion liegende Lager Dzikow unterstellt. Mit dieser Aufgabe
augenscheinlich unterfordert, stellte das Kommando immer wieder Leute für
andere Bewachungsaufgaben ab.
Mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion übernahm das Sonderkommando
außerdem Einsätze gegen Schmuggel- und Schwarzmarktaktivitäten und zog sich
laut eines Befehls vom 21.01.1942 in Lublin zusammen, um neue Aufgaben zu
übernehmen. Die Verlegung des Kommandos war sicherlich eine Reaktion auf den
schlechten Ruf der Truppe und stellte auch eine Reaktion auf die zahlreichen
Anschuldigen dar. Der Höheres SS- und Polizeiführer des Generalgouvernement
hatte kurz zuvor von Gottlob Berger gefordert, daß "diese Verbrecherhaufen
binnen 8 Tage aus dem Generalgouvernement verschwinden müsste.". Weitere
Konsequenzen, zumindest vom ehem. Regimentskameraden Gottlob Berger, hatte
Dirlewanger nicht zu befürchten, erhielt Berger doch durchaus regelmäßig
Lebensmittel und Plünderungsgut.
Am 22.01.1942 erfolgte die "Verabschiedung" Dirlewangers durch den SS- und
Polizeiführer Globocnik mit den Worten:
"Ich danke SS-Sturmbannführer Dirlewanger und seinen
Männern für die bei mir geleistete Arbeit unter oft schwierigsten Bedingungen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch feststellen, daß alle wie auch
immer gearteten Anschuldigungen der letzten zeit gegen SS-Sturmbannführer
Dirlewanger jeder Grundlage entbehrten und SS-Sturmbannführer Dirlewanger als
der gleiche von uns scheidet, als der er vor 1 1/2 Jahren in Dzikow-Stary
seinen bestimmt nicht leichten Dienst mit seinen Männern angetreten hat."
Das Sonderkommando verlegte im Februar 1942 zunächst ins
östliche Belorussland und wurde dort zur Partisanenbekämpfung eingesetzt. Das
Kommando unterstand somit dem Höheren SS- und Polizeiführer Russland-Mitte
Bach-Zelewski. Die ersten Unternehmen fanden bereits im März 1942 im Raum
Mogilew statt. Weiterhin nahm man Ende Juli am Unternehmen "Adler"
teil. Schon Ende März erntete Dirlewanger für seinen Einsatz Lob von höchster
Stelle, so meldete Bach-Zelewski an Himmler, daß sich die Wildschützen bestens
bewährten. Weiteres Lob nach dem Unternehmen "Adler" kamen u.a. vom
Kommandeur des Polizei-Regiments 2 und vom Kommandeur der 286.
Sicherungs-Division.
Dirlewangers Kommando behielt dabei jedoch die "gelernten" Methoden bei
und zeigten auch in Belorussland ihre "Fähigkeiten". So suchten Sie
bspw. im Juni 1942 die Ortschaft Borki heim, in der bei einem
Partisanenüberfall zuvor 18 Polizisten getötet worden waren. Laut eines
eigenen Berichts, umstellte das Kommando die Ortschaft und drang dann ein. Wer
flüchtete wurde erschossen. Drei Personen mit Gewehren wurden liquidiert und
einige Waffen erbeutet. Die Bilanz des Unternehmens ließt sich allerdings
anders:
| erschossene Einwohner |
1112 |
| vom SD erschossen |
633 |
| auf der Flucht erschossen |
282 |
| |
2027 |
Die Ortschaft Borki wurde anschließend angezündet und
abgebrannt. Die Polizisten und deren Familien wurden augenscheinlich durch
Dirlewanger verantwortlich gemacht und allesamt in der Schule bei lebendigem
Leib verbrannt.
Bis Anfang Oktober stellte Dirlewanger die so genannte "Russen-Kompanie"
und den "Ukrainer-Zug" auf, die aus Kollaborateuren zusammengesetzt
waren. Auch verwendete er Einheimische zum "Räumen" von verminten
Strassen, er liess die Menschen einfach darüber hinweggehen.
In der Zeit zwischen März 1942 und Anfang August vernichtete das Kommando mehr
als 15.000 "Partisanen" und erbeutete 20 Geschütze, 8 Pak, 2 Panzer, 62
sMG, 112 lMG, 70 automatische Gewehre, mehrere Funkstationen, Fallschirme,
sowie große Mengen an Munition und Sprengstoff. Dabei verlor das Kommando 92
Gefallene, 218 Verwundete und 8 Vermisste.
Während der Einsätze in Belorussland wurde Dirlewanger im Juli 1942 durch
einen Armdurchschuss, am 01.08.1943 beim Unternehmen "Hermann" durch
einen Streifschuss in die Brust, sowie einem Schuss durch den Rückärmel,
verwundet.
Für seine "außerordentlichen Verdienste" erhielt er am 05.12.1943 das
Deutsche Kreuz in Gold.
Wie auch schon in Polen griff Dirlewanger auch in Weißrussland auch bei seinen
eigenen Männern hart durch. So erschoss er einen Soldaten der sich an einem
dreijährigen Kind verging. Doch alle Zivilisten die von der Tat erfahren
hatten, wurden später in einem Haus zusammengetrieben und dort verbrannt,
damit die Tat nicht bekannt wurde.
Anfang 1943 erhielt das Kommando die Ortschaft Lahoysk als Standort, als zur
gleichen Zeit ein Transport von 321 Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen nach
Minsk abfuhr. Die Zusammenstellung des Transport erfolgte durch den
SS-Brigadeführer Dr. Glücks, der Amtsgruppe D des
SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes, wohl aber nicht ohne Billigung Himmlers.
Dieser erwartete von Dirlewanger, daß er aus den "Berufsverbrechern"
und "Asozialen" des Transports, ebenso wie aus den Wildschützen, gute
Kämpfe für das 3. Reich machen würde. Kurz nach der Ankunft in Lahoysk mussten
sich die Häftlinge in einem Karree aufstellen und wohnten anschließend einer
Hinrichtung des Häftlings Fritz B. bei. Mit der Begründung so würde es jedem
ergehen der meuterte wurde er erschossen. B. hatte sich während des
Transportes dahingehend geäußert dem SS-Hauptsturmführer Stöweno nicht das
Ritterkreuz zu verdienen.
Dirlewanger lässt sich leicht als "Vater" dieser Maßnahmen feststellen.
Auch förderte er innerhalb der Truppe das Klima der gegenseitigen Denunziation
und bei den Einheimischen die Angst. Eigene Soldaten wurden wegen kleinster
Vergehen hart bestraft, insbesondere für gut gemeinte Handlungen gegenüber der
Zivilbevölkerung. Dirlewanger sandte kurze Zeit später einige der Häftlinge
nach Sachsenhausen zurück, mit der Begründung Kastrierte, Zigeuner und
Vergewaltiger nicht gebrauchen zu können. Die verbliebenen 250 Mann bildeten
dann die 2. und 3. Kompanie seines Bataillons. Diese beiden Kompanie erhielten
rote Schulterklappen, die 1. Kompanie, der Stamm der alten Wildschützen,
trugen weiße. Die 4. und 5. Kompanie, allesamt Fremdvölkische, erhielten
keine. Lediglich das deutsche Rahmenpersonal erhielt das Recht zum Tragen von
wohl weißen Schulterklappen. Letztlich gelang es Dirlewanger auch diese in die
Gemeinschaft zu integrieren. Fast alle Überlebenden des Krieges äußersten sich
positiv über die Person Dirlewangers. So soll er seine Untergebenen stets
geduzt haben, womit diese, fast ausschließlich Zuchthaus-Karrieren, eine
Verbundenheit aufbauten.
Am 20.07.1943 erhielt Dirlewanger ein Fernschreiben, das besagte Arbeitskräfte
zu erfassen, Bandenverdächtige und Gefangene nicht sonderzubehandeln sondern
zum Arbeitseinsatz zu bringen. Damit erhielt das Bataillon nun auch den
Auftrag Arbeitskräfte für das Reich zusammenzutreiben.
Dirlewanger trieb so bspw. 12.000 Arbeiter für die Werlin-Werke des
Daimler-Benz-Konzerns zusammen. Damit schloss sich ein Kreis, denn bereits
1920 hatte Dirlewanger gegen die Arbeiter des Konzerns militärische Mittel
eingesetzt. Auch höhere SS-Dienststellen verlangten nach Arbeitskräften, die
nun von Dirlewanger "eingefangen" und zum "Versand" vorbereitet
wurden. Dirlewanger traf sich oft mit Gottlob Berger, der öfters mit anderen
SS-Offizieren die Dirlewanger-Truppe besuchte. Diese Besuche endeten oft in
einem Alkohol- und Gewaltrausch. Gegenüber SS-Offizieren anderer Dienststellen
benahm sich Dirlewanger hingegen oft herablassend. So musste Bach-Zelewski
eine Schlägerei zwischen Dirlewanger und dem Gebietskommissar Dr. Kaiser
schlichten. Er beschimpfte einen SS-Hauptsturmführer vom Ostministerium als
Lump und Drückeberger. Doch immer stellte sich Berger hinter Dirlewanger, der
ihn für die Sicherung des Raumes anscheinend dringend benötigte.
Im November 1943 gelang den sowjetischen Truppen bei Newel ein Durchbruch
durch die deutschen Linien und die dort befindlichen Polizei- und
Sicherungseinheiten mussten nun an der Front eingesetzt werden. Auch das
Bataillon Dirlewanger kam zum Einsatz und zwar bei Dretun und Newel. Für die
Zeit zwischen dem 08.11. und dem 02.12.1943 fielen 41 Mann der
Sonderformation. Der Grossteil stammte aus dem erst im August 1943
eingegliederten KZ-Häftlingen.
Im Januar 1944 wurde die Truppe aus dem Fronteinsatz gezogen und in das neue
Quartier nach Usda südlich von Minsk verlegt. Mit Ende des Fronteinsatzes war
die Kampfstärke von 710 auf 460 Mann gesunken. Diese wurden dann wieder wie
ursprünglich in der Partisanenbekämpfung eingesetzt. Daneben erfolgte auch die
Weiderauffrischung der Truppe mit ehemaligen Häftlingen. Verschiedenen
berichten zufolge, soll Dirlewanger zumindest in den lagern Neuengamme,
Buchenwald und Sachsenhausen die Auswahl der neuen "Rekruten"
persönlich vorgenommen haben. Ca. 700 Häftlinge trafen daraufhin Anfang Juni
1944 in Usda ein. Ein Teil von ihnen wurde sofort in das benachbarte Sabolotje
verlegt, wo diese zur Aufstellung des II. Bataillons der Sonderformationen
verwendet wurden. Weiterhin wurde in Minsk extra eine eigene Ersatz-Kompanie
aufgestellt.
Bereits vorher hatte Dirlewanger versucht seine Einheit weiter auszubauen. So
richtete er am 14.03.1944 einen Brief an Berger, mit der Bitte um
Weiterleitung an Himmler. Darin heißt es:
"Die befohlene Auffüllung der Einheit durch 800
Männer aus den KL bedeutet mindestens für die nächsten 3 bis 4 Monate keine
Erhöhung der Schlagkraft, weil diese Männer zunächst ausgebildet und sodann
längere Zeit noch schärfstens überwacht werden müssen. Der laufend benötigte
Ersatz ist jedoch mit einzelnen nach hier zur Bewährung versetzten Männern
nicht gegeben.
Es wird daher gebeten, befehlen zu wollen, die nach Verbüßung ihrer Strafe
bzw. Teilstrafe aus dem Strafvollzugslager der SS und Polizei zur
Bewährungsabteilung nach Prag entlassenen Männern nach kurzfristiger
vierwöchiger Ausbildung von dort zur Bewährung nur nach hier zu versetzen.
Desgleichen wird gebeten, die Arbeitsabteilung der Waffen-SS in Bobruisk
aufzulösen und die Männer - ausgenommen die unbestraften SS-Angehörigen - mit
Waffen und Ausrüstung zwecks Bewährung vor dem Feinde nach hier zu
überstellen."
Damit rechnete Dirlewanger seine Einheit um bis zu 2.000
Mann zu verstärken. Doch zunächst benötigte er durch die Inmarschsetzung der
700 Häftlinge einsetzbares Stammpersonal. Das er aus den
Bewährungs-Abteilungen Prag bzw. Matzkau bekam. Weiterhin erhielt er endlich
einen Bataillons-Arzt der sich ebenfalls bewähren musste, sowie zwei Zahnärzte
die zum einen "vergeblich zur Abtreibung anstifteten" bzw. wegen "Volltrunkenheit"
in Misskredit gefallen waren. Aufgrund der Funksicherheit stießen im Frühjahr
19044 noch 16 Angehörige des Postschutzes zur Einheit, womit Dirlewangers
Truppe in etwa zwischen 100 und 200 aktive SS-Männer als Stammpersonal im
Einsatz hatte. Darunter befand sich bspw. der SS-Hauptsturmführer Kurt Weiße.
Er war wegen Untergebenenmißhandlung mit Todesfolge zu einer lebenslangen
Zuchthausstrafe verurteilt worden, wobei ihm selbst das SS-Gericht eine "Verrohung
ohnegleichen" attestierte. Das Gerichte bezeichnete ihn als "Sadisten"
dem ein "anvertrautes Lebewesen nichts wert" sei. Beim Bataillon
Dirlewanger machte Weiße hingegen eine steile Karriere. Zunächst als
Kompanie-Führer eingesetzt, übernimmt er später das Kommando eines Bataillons
und kommt nur ein Jahr später als Ia- und IIa-Offizier in den Stab des
Regiments Dirlewanger.
Mit Beginn der Großoffensive der Roten Armee gegen die Heeresgruppe Mitte,
geriet auch das SS-Sonder-Regiment Dirlewanger in den Sog des Rückzuges. So
besetzte Dirlewanger am 07.07.1944 nach eigenem Entschluss mit Teilen seines
Regiments südostwärts Lida eine Riegelstellung. Damit gelang es ihm zunächst
den Gegner aufzuhalten. Damit konnten die eigenen und andere Trosse auf der
Rollbahn Lida-Grodno nahezu unbehelligt durchgeschleust werden. Nach einer
Einschätzung durch den SS-Gruppenführer Reinefarth, kämpfte Dirlewanger "mit
der Waffe in der Hand stets an vorderster Position". Aufgrund des
Feinddrucks setzte er sich ab und verhinderte damit die Vernichtung der
Regimentsteile. Während dieser Zeit ging man weiterhin dazu über Delinquenten
vor der angetretenen Einheit aufzuhängen.
Das man in der Einheit insbesondere nach der schweren Niederlage im Sommer
1944 darauf überging die Prügelstrafe einzuführen, hängt auch eng mit der
zunehmenden Labilität der Offiziere zusammen, wie aber auch mit Dirlewanger
selbst. In der deutschen Militärgeschichte dürfte dessen Machtfülle wohl
einzigartig sein.
Mit Ende dieses Rückzuges gelangte die Direlwanger-Truppe zurück nach Lomscha
und kurz darauf auf den ostpreußischen Truppenübungsplatz Arys. Während dieser
Verlegung traf der Befehl ein, sofort nach Warschau abzudrehen, nachdem dort
am 01.08.1944 der Aufstand ausgebrochen war. Dort wird die der Kampfbrigade
Reinefarth unterstellt der es "gelang" vom 05. bis zum 06.08.1944 ca.
50.000 Menschen zu töten. Das I. Bataillon war am 05.08.1944 als Kampfgruppe
Meyer angetreten, um den durch Warschau durchgehenden Hauptstrassenzug
freizukämpfen. Daran beteiligte sich auch der von Weiße geführte Stab des
Regiments. Das II. Bataillon, bezeichnet als Kampfgruppe Steinhauer, griff
erst am Abend des 07.08. in die Kämpfe ein. Ein belgischer Augenzeuge, Soldat
im Pionier-Bataillon 46, berichtete von den Kämpfen der Dirlewanger-Einheit.
So trieben diese Zivilisten um eigene Panzer, um die Verteidiger zu zwingen
auf eigene Leute zu schießen. Doch das Regiment musste bei den Kämpfen auch
schwere Verluste hinnehmen.
In den 60èr Jahren wurden einige der Dirlewanger-Soldaten vernommen, auch im
Zusammenhang mit einer Verhandlung gegen Reinefarth. Dabei kam der Richter zum
Schluss:
"Wer am Morgen des 05.08.1944 mit 356 Mann antritt,
von denen am Abend des 07.08.1944 nach Überwindung von nur etwa 5 km
Straßenlänge nur noch etwa 40 Mann vorhanden sind, kämpft um sein nacktes
Leben; er dürfte kaum zeit und Gelegenheit gehabt haben, außerhalb des
Kampfgeschehens Massenerschiessungen vorzunehmen."
In der militärischen Forschung kommt man zu dem Schluss,
das die Dirlewanger-Einheiten im erheblichen Umfang an den Erschießungen
beteiligt waren, daß jedoch deutsche SD- und Polizei-Formationen mehrheitlich
die polnischen Opfer auf dem Gewissen haben. Mit Beginn der Kämpfe in Warschau
verfügte das Regiment über eine Stärke von 860 Mann. Während der Kämpfe
erhielt es Personalersatz in Höhe von ca. 2500 Mann. Bei Ende der Kämpfe
bestand das Regiment jedoch lediglich aus 648 Mann.
Beim Warschauer Aufstand kämpfte die Brigade Dirlewanger auf die gleiche Art
und Weise wie im Partisanengebiet und trug dadurch zur Kapitulation der
Aufständischen im erheblichen Masse bei. Für die brutale Niederschlagung des
Warschauer Aufstandes erhielt Oskar Dirlewanger, als SS-Oberführer der Reserve
und Kommandeur des SS-Sonder-Regiments "Dirlewanger" am 30. September 1944 das
Ritterkreuz.
Nach Ende der Kämpfe sollte das Regiment in Radom aufgefrischt wurden, doch
Mitte Oktober musste es bereits in die Slowakei abrücken, um den dort Ende
August 1944 ausgebrochenen Aufstand niederzuschlagen. Als die Einheiten
schließlich am 17. und 10.1944 eingriffen, war der Aufstand bereits im
Endstadium niedergeschlagen. Auch hier erleidet die Formation im Gegensatz zu
anderen eingesetzten Einheiten, schwere Verluste, was auf die rücksichtslose
und unzulängliche Führung Dirlewangers zurückzuführen ist.
Ein gegen Jahresende eingesetzter SS-Richter beurteilte die Truppe nach dem
Krieg niederschlagend. So herrschte lediglich die Prügel- und Todesstrafe und
Dirlewanger oblag jede Entscheidung.
Am 07.10.1944 richtete Dirlewanger an Hitler den Vorschlag ein Bataillon mit
ehemaligen jetzt aber zur Bewegung stehenden KL-Häftlingen, aufzustellen.
Die eigentliche Idee geht auf den damaligen KZ-Kommandanten von Flossenbürg
Zill zurück und wurde schließlich von Himmler genehmigt. Kurz vor dem ersten
Kampfeinsatz äußerte sich Dirlewanger jedoch vorsichtiger und forderte bei
der Heeresgruppe Süd von anderen Straf-Bataillonen kampfgeeignete Männer an,
denn er wolle den "Sowjets" nicht mit "Kommunisten" begegnen.
Letztlich stellte dieser Versuch regimeanlehnende Gegner für "die Zeit
des Krieges" zu rekrutieren. Dies bedeutet nichts anderes als ein
Ausdruck der aussichtslosen Kriegslage und der Mangel an Menschen,
insbesondere Soldaten. Das SS-Führungshauptamt weigerte sich auch später
beharrlich die Häftlinge als "ordentliche" SS-Soldaten anzuerkennen und
unterließ es bspw. entsprechendes Rahmenpersonal zur Aufstellung der
Kompanien zu entsenden.
Ab dem 07.11.1944 trafen die ersten Kontingente bei der Ersatzeinheit
Dirlewangers in Krakau ein und wurden kurze Zeit später nach Diviaky
verlegt. Dort sollte der Aufbau der Sturmbrigade Dirlewanger erfolgen. Die
politischen Häftlinge wurden fast allesamt dem III. Bataillons des neu
aufzustellenden SS-Regiments 2 Sturmbrigade Dirlewanger zugeteilt. Zum Teil
wurden auch einige Angehörige des SS-Straflagers Dachau,
Waffen-SS-Mitglieder, in das Bataillon versetzt. Einzelne Politische
Häftlinge wurden daneben auf das II. Bataillon verteilt.
Gegen Ende November 1944 erfolgte dann die Verlegung des II. und III.
Bataillons in den Raum Novaky/Slowakei. Ziel war es dabei die Partisanen der
Oberen Nitra mehr oder weniger zusammenzutreiben. Das III. Bataillon wurde
per Bahn verlegt, wohingegen das II. Bataillon marschieren musste. Wer
zurückblieb wurde von den SS-Männern erschossen. Daran lässt sich eine
unterschiedliche Behandlung erkennen. Denn im III. Bataillon blieben die
Häftlinge eher unter sich und sprechen gar von einer halbwegs guten
Behandlung. Durch die Verrohung innerhalb des II. Bataillons sank auch das
Ansehen der Truppe in der slowakischen Bevölkerung. Resultat waren im
Dezember 1944 exemplarische Exekutionen an Bataillonsangehörige.
Mit der Eingliederung der Häftlinge bestand die Brigade Dirlewanger nun aus
zwei Regimentern mit jeweils drei Bataillonen, einer Artillerie-Abteilung
aus zwei schwachen Polizei-Batterien, einer Füsilier, Pionier- und
Nachrichten-Kompanie, sowie dem Brigadestab. Insgesamt ca. 6.500 Mann. Die
ehemaligen Wilddiebe - das Stammpersonal - waren mitunter zu höchsten
Unterführerstellen aufgerückt. Etwa 15% waren bestrafte ehemalige SS- und
Polizei-Angehörige. Rund 30% waren KL-Häftlinge und etwa 50% waren bestrafte
Angehörige der drei Wehrmachtsteile. In den Polizei-Batterien dienten wohl
auch nur wenige wirklich unbestrafte Personen. Einheitlich uniformiert waren
die Einheiten kaum. Vielmehr trugen die Soldaten ihre alten Uniformen, womit
die Einheiten einen eher unhomogenen Eindruck hinterließen.
Am 13.12.1944 kommen beide Bataillone in Ipolysag in Ungran zum Einsatz und
erhalten die Aufgabe eine wichtige Ortschaft zu halten. Die übrigen
Einheiten verbleiben in der Slowakei. Dirlewanger selbst übernahm aufgrund
seines zu kleinen Führungsapparates, nicht das Kommando über die nun
einzusetzenden Truppenteile. Wie der Einsatz erfolgte, der Brigadestab
sollte zumindest lt. Heeresgruppe Süd, eng mit den Truppenteilen
zusammenarbeiten, wenn auch nur nachrichtentechnisch, war dem Stab selbst
jedoch völlig unbekannt. Als der Oberbefehlshaber der HG Süd am 12.12.1944
den Stab aufsuchte, fand er Dirlewanger mit einem Affen auf der Schulter an
einem Schreibtisch sitzend vor. Eine Information über die Lage seiner
Einheiten konnte er nicht abgeben. Die Organisation der Verteidigung, der
Unterstellung und der Führung war völlig konfus und letztendlich nicht von
Erfolg gekrönt. Außerdem desertierten viele der Häftlinge.
Im Zuge des Durchbruches des Gegners an der Weichsel, zog Himmler sämtliche
Truppenteile an die Ostfront. Darunter auch die Sonderformation Dirlewanger,
die vorher in Prividza lag und Ende Januar 1945 nach Deutschland in Marsch
gesetzt wurde., wo sie am 12.02.1945 in Guben eintraf. Das Regiment 1 wurde
bei der Heeresgruppe Weichsel eingesetzt und kam bei Frankfurt/Oder und im
Oderbruch zum Einsatz. Die restlichen Einheiten kamen ab dem 14.02.1945 zur
Heeresgruppe Mitte in den Bober-Abschnitt.
Im März 1945 erfolgte die "Aufstockung" der Brigade zur 36.
SS-Waffen-Grenadier-Division. Dirlewanger wurde abgelöst und durch Fritz
Schmedes ersetzt. Die Division selbst bestand jedoch nur rein formal und
umfasste nicht die annähernde Größe eines solchen Verbandes.
Mitte März begibt sich Dirlewanger aufgrund eines Brustschusses auf
Genesungsurlaub nach Esslingen ins Haus seiner Eltern. Zuvor traf er mglw.
in Berlin letztmalig mit Gottlob Berger zusammen, der ihm wohl den Rat gab
sich ins Allgäu durchzuschlagen und dort im Jagdrevier des Industriellen
Robert Bosch seine Flucht vorzubereiten. Dort legte er dann wohl auch seine
Uniform ab und bekleidete sich zivil.
Oskar Dirlewanger wurde nach Kriegsende im französisch besetzten
oberschwäbischen Altshausen Kreis
Saulgau/Württemberg
verhaftet und in den Ortsarrest eingeliefert. Mglw. hatte ihn ein ehemaliger
KZ-Häftling auf der Strasse erkannt und gemeldet. Die Wachmannschaft bestand
aus Polen. In der Nacht vom 04.06. auf den 05.06.1945 wurde Dirlewanger aus
seiner Zelle geholt und geschlagen. Mglw. wurde er dabei durch
Gewehrkolbenschläge auf den Kopf derart schwer verletzt, dass er kurz darauf
verstarb. Das Standesamt Altshausen datierte seinen Tod auf den
07.06.1945. Seit dem hielten sich jedoch
Gerüchte Dirlewanger sei noch am Leben. So soll er 1948 arabische Truppen im
Kampf gegen Israel ausgebildet haben, oder aber im Rahmen der Fremdenlegion
in Vietnam im Einsatz gestanden haben. Um diesen Gerüchten Herr zu werden
wurden die Leichte Dirlewangers am 12.11.1960, die in Altshausen am
19.06.1945 beigesetzt wurde, durch die Staatsanwaltschaft Ravensburg
exhumiert. Dabei wurden die menschlichen Überreste zweifelsfrei als die des
Oskar Dirlewangers identifiziert.
Selbst in den Reihen der
Waffen-SS war Oskar Dirlewanger, ob seiner Brutalität und seines Rufes, ungern
gesehen und wurde gemieden.
An dieser Stelle einige
persönliche Anmerkungen. Es obliegt uns hier nicht über die Person Dirlewanger
zu urteilen. Angesichts der Taten dieses "Mannes" ist es schwer genug Worte zu
finden.
Dirlewanger erhielt jedoch das Ritterkreuz und von daher muss er in dieser
Liste erwähnt werden. Eine Weglassung würde die Unvollständigkeit der Liste
bedeuten. Seine Nennung soll keine Verehrung bedeuten, sondern zeigen, zu was
Menschen fähig sind. In den Reihen der Ritterkreuzträger befinden sich zum
größten Teil Soldaten die tadellos ihre Pflicht
erfüllten. Das es aber auch Personen wie Dirlewanger gab, bedeutet letztlich,
dass die Ritterkreuzträger an sich, keine große einheitlich orientierte Masse darstellen, sondern
ebenfalls ein Abbild der Gesellschaft darstellen. Es ist also nicht akzeptabel die
Ritterkreuzträgerschaft vollständig als Täter, Mörder oder dergleichen zu
beschimpfen.
Siehe zum
Sonderverband "Dirlewanger"