116. Schwerterträger Heinz Harmel
SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS


 

Im Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vom 16. Juli 1944 war a. a. folgendes zu lesen und hören:

"... In den Kämpfen um Caen haben sich die 9. SS-Panzerdivision "Hohenstaufen" unter Führung von Standartenführer Stadler und die 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg" unter Führung von SS-Oberführer Harmel zusammen mit Truppen des Heeres durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. In Abwehr und Angriff fügten beide Divisionen dem Feind hohe Verluste an Menschen und Material zu. Dabei wurden durch diese Divisionen zusammen 140 Panzer abgeschossen."

mit dieser Verlautbarung waren zwei an den verschiedensten Fronten des II. Weltkrieges immer wieder bewährte Truppenführer der Waffen-SS - der Steiermärker Sylvester Stadler (geb. 1910) und der um vier Jahre ältere gebürtige Metzer Heinz Harmel (geh. 1906) in die offizielle deutsche Dokumentation der täglichen Kriegsereignisse eingegangen.
Geboren wurde Heinz Harmel am 29. Juni 1906 in der lothringischen Hauptstadt Metz, der größten Garnison und stärksten Festung des damaligen Deutschen Reiches, als Sohn eines Stabsarztes im II. Bataillon des dort stationierten 4. Magdeburgischen Infanterieregiments Nr. 67, der es in der späteren Reichswehr noch bis zum Generalarzt brachte. 1913 bedingte die Beförderung des Vaters zum Oberstabsarzt und dessen damit zusammenhängende Versetzung nach Küstrin an der Oder auch einen Wohnsitzwechsel der Familie, schon früh stand für Heinz fest, daß er einmal Berufsoffizier werden wollte, deshalb meldete er sich 1926 freiwillig zur Reichswehr und trat in die 15. Kompanie des 6. Infanterie-Regiments im schleswig-holsteinischen Ratzeburg ein.
Aufgrund der strengen Auswahlbedingungen beim "Hunderttausend-Mann-Heer" jener Tage musste Harmel wegen eines erst viel später behobenen Augenleidens schon nach zwei Jahren als Gefreiter ausscheiden und sich nach einem anderen Beruf umsehen.
So ging er damals in die Landwirtschaft und volontierte auf Gütern in Schleswig-Holstein, in der Altmark und in Pommern, seine Ausbildung schloss, er 1931 mit der staatlichen Prüfung als Landwirt ab.
Inzwischen hatte die große Wirtschaftskrise der frühen 30er Jahre, die schließlich in einer Zahl von mehr als sechs Millionen Arbeitslosen gipfelte, auch die Landwirtschaft erfasst, so daß Harmel sich abermals eine neue Aufgabe suchen musste, er fand sie als Führer im freiwilligen Arbeitsdienst im Wartheland (Grenzmark Posen-Westpreußen), von hier wechselte er als Ausbilder an eine Geländesportschule des "Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung", 1934 entstand daraus die Dienststelle des "Chefs A. W." (Ausbildungswesen).
Am 1. 10. 1934 verfügte der "Chef A. W." über rund 250 "Sportschulen" für vormilitärische Infanterieausbildung, an einer dieser Schulen tat bis zum Sommer 1935 auch Harmel Dienst, der nach einer Reserveübung bei seiner alten Truppe, den "Ratzeburger Jägern", zum Oberfeldwebel d. R. befördert wurde.
Nachdem sich der inzwischen 29jährige um Aufnahme in die gerade im Aufbau befindliche SS-Verfügungstruppe, die spätere Waffen-SS, beworben hatte, wurde er am 2.10.1935 als aktiver Oberscharführer (Feldwebel) bei der 1. Kompanie der SS-Standarte (Regiment) "Germania" in Hamburg-Vettel eingestellt.
Vom 6.7. bis 5.8.1936 wurde er zu einem von dem nunmehrigen SS-Standartenführer (Oberst) Felix Steiner geleiteten Zugführerlehrgang nach München kommandiert, Harmel gehörte zu den zehn Besten, die schon am 1. 1. 1937 zu Untersturmführern (Leutnant) befördert wurden, er tat fortan Zugführerdienst bei der 7. Kompanie der nun in München stationierten SS-Standarte "Deutschland" und wurde dort am 30. 1. 1938 zum Obersturmführer (Oberleutnant) befördert.
Nach dem Anschluss Osterreichs an das Deutsche Reich im März 1938 ging Harmel mit dem II. Bataillon seines Regiments nach Klagenfurt, der Hauptstadt Kärntens, wo er zum Chef der 9. Kompanie des neuen Regiments "Der Führer" ernannt wurde, in dieser Funktion avancierte er am 30. 1. 1939 zum Hauptsturmführer (Hauptmann).
Während des Westfeldzuges im Sommer 1940 nahm er mit seiner Kompanie an den Kämpfen in Holland und Flandern teil, erzwang den Einbruch in die Grebbe-Linie und wurde mit den Eisernen Kreuzen II. und I. Klasse und dem Infanteriesturmabzeichen ausgezeichnet, schließlich machte er auch noch den Vormarsch nach Südfrankreich mit, am 1. 1. 1941 wurde er mit der Führung des II. Bataillons des SS-Regiments (mot.) "Der Führer" betraut und im April 1941 im Südostfeldzug beim Vorstoß auf die jugoslawische Hauptstadt Belgrad eingesetzt, im gleichen Monat wurde er zum Sturmbannführer (Major) befördert.
Als am 22.Juni 1941 der deutsche Angriff gegen die Sowjetunion begann, gehörte Harmel mit seinem Bataillon zu der im Mittelabschnitt eingesetzten, von SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Paul Hausser (1880-1972) geführten SS-Panzergrenadierdivision "Das Reich", in ihrem Rahmen nahm er an den Kämpfen im Jelna-Bogen und am Durchbruch durch die Moskauer Schutzstellung teil, seine wiederholt bewiesene persönliche Tapferkeit fand am 29. 11. 1941 durch die Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold Anerkennung.
Am 4. 12. 1941 wurde er mit der Führung des SS-Panzergrenadierregiments Deutschland" betraut, nachdem dessen bisheriger Kommandeur, SS-Oberführer Wilhelm Bittrich (1894-1979), anstelle des schwerverwundeten Generalleutnants der Waffen-SS Hausser den Befehl über die Division "Das Reich" übernehmen musste, offizieller Regimentskommandeur wurde Harmel - seit 18. 6.1942 Obersturmbannführer (Oberstleutnant) - am 20.10.1942.
Auch in den Winterkämpfen 1942/43 bei Rschew-Oskol war er seinen Männern stets ein Vorbild an Einsatzbereitschaft und Tapferkeit, bei der Wiedereinnahme von Charkow im März 1943 zeichnete er sich erneut aus, indem er mit seinem Schützenpanzerwagen an der Spitze eines aus einer Panzer- und einer Panzergrenadierkompanie gebildeten Stoßkeiles einen erfolgreichen Gegenangriff aus eigener Initiative in der Nacht fortsetzte, dieser außergewöhnliche Einsatz trug ihm am 31. 3.1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ein, außerdem erhielt er noch ein Panzervernichtungsabzeichen, am 20. 4. 1943 wurde Harmel zum SS-Standartenführer (Oberst) befördert und am 7. 9.1943 mit dem 296. Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet, zum Eichenlaub kam auch noch die Nahkampfspange in Silber, für deren Verleihung mindestens 30 Nahkämpfe Voraussetzung waren.
In der Zeit vom 15. 3. bis 27. 4. 1944 nahm Standartenführer Harmel an einem Divisionsführer-Lehrgang in Hirschberg (Schlesien) teil, diesen musste er vorzeitig abbrechen, um anstelle des mit neuen Aufgaben betrauten SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Waffen-SS Karl von Treuenfeld das Kommando über die im Sommer 1943 in Frankreich neu aufgestellte SS-Panzerdivision "Frundsberg" zu übernehmen, diese bildete zusammen mit der 9. SS-Panzerdivision "Hohenstaufen" (Kommandeur: SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Bittrich) das von General der Waffen-SS Paul Hausser geführte II. SS-Panzerkorps, letzteres war damals im Rahmen der 4.Panzerarmee des Generals der Panzertruppe Erhard Raus (1889-1956) im Raum Lemberg (Galizien) zum Entsatz der in der sogenannten "Festung Tarnopol" eingeschlossenen deutschen Verbände unter Generalmajor Egon von Neindorff (1897-1944) bereitgestellt worden.
Die Division "Frundsberg" hatte ursprünglich (nach dem Stand vom 31.12. 1943) eine Sollstärke von 19 513 Mann, bald nach Obernahme des Befehls über die Division "Frundsberg" am 27.4. 1944 wurde Heinz Harmel am 18.5.1944 zum SS-Oberführer befördert, einem im Heer unbekannten Dienstrang zwischen Oberst und Generalmajor, am 7. 9.1944 erfolgte schließlich seine Beförderung zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, der damals erst 38jährige Divisionskommandeur war somit in knapp neun Jahren aus dem Unteroffiziersstand bis in die Generalität aufgestiegen.
Der neue Kommandeur der "Frundsberger" wurde von seinen Männern, von denen viele kaum über 18 Jahre alt waren, respektvoll der "Alte" genannt.
Harmels große Bewährungszeit als Divisionskommandeur kam, nachdem die Division "Frundsberg" im Sommer 1944 vom Osten an die Invasionsfront in der Normandie verlegt worden war, vom "selbstlosen persönlichen Einsatz" des Divisionskommandeurs ist in Berichten um die Sprengung des Kessels von Falaise im August 1944 die Rede, damals galt es, einen Durchbruch im britischen Trommelfeuer ohne Panzerunterstützung zu erzwingen, um die dort eingeschlossenen deutschen Verbände freizukämpfen, allerdings konnten sich von rund 125 000 eingeschlossenen deutschen Soldaten der 7. Armee und der 5. Panzerarmee nur 45 000 unter hohen Verlusten und starken Materialeinbußen retten, der Oberbefehlshaber der 7. Armee, der 64jährige Generaloberst der Waffen-SS Paul Hausser, wurde dabei erneut schwer verwundet.
Nicht minder große Leistungen, die schließlich am 15. 12 . 1944 zur Verleihung der 116. Schwerter zum Ritterkreuz an Heinz Harmel führten, wurden der 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg" bei der Abwehr der alliierten Luftlandeoperation "Market Garden" im Raum Nimwegen , des größten Luftlandeunternehmens der bisherigen Kriegsgeschichte, abverlangt (17.-26.9.1944), ebenso beim Seine-Übergang Ende September 1944, wo der Kommandeur selbst erst über den Fluss ging, nachdem der letzte seiner Männer das andere Ufer erreicht hatte - und schließlich bei den Kämpfen um den Brückenkopf Colmar, das Kriegsende erlebte Generalmajor Harmel im Mai 1945 nicht mehr bei seiner im Raum Cottbus-Spremberg ihren letzten Kampf durchführenden Division, sondern als Führer eines gegen die Engländer bei Villach (Kärnten) eingesetzten Sperrverbandes, erst Mitte Juni 1945 geriet er in britische Gefangenschaft.
Nach Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft musste der ehemalige Divisionskommandeur sich mühsam eine neue Existenz als Handelsvertreter aufbauen, aber auch dabei bewährte er sich bis über die übliche Grenze des Rentenalters hinaus, eine besondere Genugtuung bedeutete es für ihn, daß ihm im Sommer 1984 - 40 Jahre nach den harten, blutigen Kämpfen in der Normandie - im "Zeichen der deutschfranzösischen Versöhnung" die Gedenkmedaille des Küstenortes Bayeux verliehen wurde, was von manchen politischen und Pressekreisen als "Skandal" empfunden wurde und dem dafür verantwortlichen stellvertretenden Bürgermeister von Bayeux ziemlichen Ärger einbrachte, aber der Verwalter des örtlichen Kriegsmuseums in Bayeux hielt dem entgegen: "In der Frundsberg-Panzerdivision dienten einfache Soldaten und keine Folterknechte" und Harmel selbst stellte dazu fest: "Wenn ich Blut an meinen Händen hätte, wäre das schon bei den Nürnberger Prozessen herausgekommen!.", im Zeichen der gegenseitigen Hochachtung zwischen einstigen Gegnern aus der Kriegszeit stand auch - 35 Jahre nach den erbitterten Kämpfen um die Brücke von Arnheim - eine Begegnung an der alten Kampfstätte mit dem seinerzeitigen Oberstleutnant und Kommandeur des 2. britischen Luftlandebataillons und nunmehrigen Generalmajors a. D. John D. Frost.
Heinz Harmel starb am 02.09.2000 in Krefeld.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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