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138. Schwerterträger Otto Kumm
SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS

Am 6. Juni 1944 meldete der Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht u.a.:

 „In Kroatien haben Truppen des Heeres und der Waffen-SS unter dem Oberbefehl des Generalobersten Rendulic, unterstützt durch starke Kampf- und Schlachtfliegerverbände, das Zentrum der Bandengruppen Titos überfallen und nach tagelangen schweren Kämpfen zerschlagen. Der Feind verlor nach vorläufigen Schätzungen 6240 Mann. Außerdem wurden zahlreiche Waffen aller Art und viele Versorgungseinrichtungen erbeutet. In diesen Kämpfen haben sich die 7. SS-Gebirgsdivision „Prinz Eugen“ unter Führung des SS-Oberführers Kumm und das SS-Fallschirmjägerbataillon 500 unter Führung des SS-Hauptsturmführers Rybka hervorragend bewährt.

Mit dieser OKW-Meldung war der Name des späteren Generalmajors der Waffen-SS und 138. Trägers des Eichenlaubs mit Schwertern zum Ritterkreuz Otto Kumm erstmals in die offizielle deutsche Dokumentation des täglichen Kriegsgeschehens von 1939 - 1945 eingegangen, Kumm ist einer von 24 Angehörigen der Waffen-SS (15%) unter den insgesamt 159 „Schwerterträgern.
Geboren wurde dieser im Fronteinsatz vielfach bewährte Soldat und Truppenführer, der 1999 sein 90. Lebensjahr vollendete, am 01. Oktober 1909 in Hamburg als Sohn eines Kaufmanns, nach dem Besuch einer Oberrealschule absolvierte er zunächst vom 01. April 1925 bis zum 31. März 1929 eine Schriftsetzerlehre, danach arbeitete er noch 5 Jahre in seinem erlernten Beruf, bis der mittlerweile 25jährige am 01. Juni 1934 als Freiwilliger in die damals in Aufstellung begriffene SS-Verfügungstruppe, die spätere Waffen-SS, eintrat.
Seine militärische Grundausbildung erhielt er bei der in Hamburg stationierten SS-Standarte (Regiment) „Germania“, in deren 3. Kompanie wurde er später im Rang eines Untersturmführers (Leutnant) als Zugführer eingesetzt, für den weiteren Aufstieg qualifizierte er sich durch Teilnahme an einem Kompanieführer-Lehrgang der Infanterieschule Döberitz, im Juli/August 1935 übernahm er dann als Obersturmführer (Oberleutnant) die Führung der neuaufgestellten Maschinengewehr-Kompanie (MGK) des Regiments „Germania“, im Dezember 1936 wechselte er als Hauptsturmführer (Hauptmann) zum Regiment „Deutschland“ nach München, wo er bis März 1938 Chef der 2. Kompanie war, im März 1938 wurde nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche reich Klagenfurt, die Hauptstadt Kärntens, Kumms neue Garnison, wo er Kompaniechef im Regiment „Der Führer“ war, mit dieser Truppe nahm er am Polenfeldzug teil, im April 1940 wurde er  zu einem Bataillonsführer-Lehrgang nach Grafenwöhr kommandiert, während des Westfeldzugs im Sommer 1940 gehörte Kumms Regiment zu der von SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Paul Hausser (1880 - 1972) geführten Division "Das Reich", an ihren Erfolgen hatte Kumm mit seinen Männern maßgeblichen Anteil, in Holland war er als Chef einer schweren Kompanie eingesetzt und wurde bereits drei Tage nach Beginn der dortigen Kämpfe mit der Führung des III. Bataillons des Regiments "Der Führer" betraut, an dessen Spitze durchbrach er die "Grebbellinie", wurde am 29. Mai 1940 mit dem EK1 ausgezeichnet sowie im September 1940 mit knapp 30 Jahren zum Sturmbannführer (Major) befördert.
Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion zeigte Kumm mit seinem Bataillon ab 22. Juni 1941 wiederum herausragende Leistungen, die ihm am 01. Oktober 1941 die Beförderung zum Obersturmbannführer (Oberstleutnant) und am 29. November 1941 die Auszeichnung mit dem Deutschen Kreuz in Gold eintrugen, inzwischen hatte er die Führung des Regiments "Der Führer" übernommen, als ihm am 16. Februar 1942 in dieser Funktion das Ritterkreuz verliehen wurde, konnte man als Begründung dafür den damaligen deutschen Zeitungen folgendes lesen:

"Am 22. Januar 1942 nahm SS-Obersturmbannführer Otto Kumm durch kühn vorgetragenen Angriff ein beherrschendes Höhengelände und bewährte sich in den folgenden schweren Kämpfen hervorragend durch die aus eigenen Entschlüssen geführte Art der Abwehr. Bei den mit starker Infanterie und Kampfwagen unternommenen Durchbruchsversuchen der Sowjets am 7. und 8. Februar wurden unter persönlicher Führung des SS-Obersturmbannführers Kumm allein 24 Feindpanzer vernichtet. Durch seine unerschütterliche Haltung erfüllte er seine tapferen SS-Männer während des heftigen Artilleriefeuers mit neuem Kampfgeist und Siegeszuversicht."

Noch härtere Anforderungen wurden in den folgenden Wochen an Kumms Regiment gestellt, als mehrere sowjetische Divisionen im Raum Rshew eingeschlossen waren und immer wieder verzweifelte Ausbruchsversuche unternahmen, an jenem denkwürdigen 18. Februar 1942 meldete sich der nunmehrige Standartenführer (Oberst) Kumm auf dem Gefechtsstand seiner Division, wo sich gerade der Oberbefehlshaber der 9. Armee, Generaloberst Walter Model (1891 - 1945) eingefunden hatte, der mit dem Erfolg bei Rshew seinen sagenhaften Ruf als "Meister der Defensive" begründete, Model sprach Kumm seine Anerkennung für die Leistungen des Regiments aus und fragte ihn nach dessen gegenwärtiger Gefechtsstärke, darauf antwortete Kumm - zum Fenster hinausdeutend -: "Herr Generaloberst mein Regiment ist draußen angetreten! ", dort standen gerade noch 35 Mann von 650 mit denen Kumm Mitte Januar angetreten war.
Charkov bildete einen weiteren wichtigen Markstein des Kummschen Einsatzes an der Ostfront, das schlug sich am 06. April 1943 in der Verleihung des 221. Eichenlaubs zum Ritterkreuz an Kumm nieder, als Begründung dafür hieß es über den Kommandeur des SS-Panzergrenadierregiments Nr. 4 "Der Führer" in den Zeitungen jener Tage:

"In zwei Fällen fasste er unter schwierigsten Verhältnissen selbstständig entscheidende Entschlüsse, die zur Abschnürung und Vernichtung erheblicher Feindteile führten. In diesen Situationen waren die nach harten Kämpfen erzielten erfolge in erster Linie dem zähen Vorwärtsdrang und dem dauernden Einsatz des Regimentskommandeurs Kumm, dem richtigen Erkennen der Lage und den blitzschnell gegebenen Befehlen zum Ansatz der Einheiten zu verdanken."

Im Sommer 1943 übernahm Kumm eine neue Aufgabe als Chef des Stabes bei dem von SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Arthur Phleps (1881 - 1944) geführten V. SS-Gebirgskorps, am 30. Januar 1944 wurde Kumm zum SS-Oberführer befördert, das war eine nur in der Waffen-SS vorhandene Zwischenstufe zwischen den Dienstgraden Oberst und Generalmajor, zum V-SS-Gebirgskorps gehörte auch die von Phleps aufgestellte und zunächst von ihm geführte 7.Freiwilligen-Gebirgsdivision "Prinz Eugen", deren Angehörige waren zu etwa 80% Volksdeutsche aus der Batschka, aus dem Banat und Siebenbürgen, ihre Unterführer hatten z. T. - wie ihr erster Kommandeur - noch in der österreichischen Armee gedient und waren über die ungarische, rumänische und jugoslawische Armee zur deutschen Wehrmacht gestoßen, aus diesem Gemisch im Einsatz eine vollwertige Kamptruppe geschaffen zu haben ist -nächst Phleps - nicht zuletzt ein Verdienst von Otto Kumm, unter seiner Führung wurde die Division schließlich so etwas wie die "Feuerwehr des Balkans".
Die letzten Monate des Krieges erlebte Kumm - nunmehr als SS­Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS - an der Spitze der 1. SS­Panzerdivision "LSSAH", er führte sie erfolgreich beim Angriff gegen den Gran-Brückenkopf in Ungran, bei den Rückzugskämpfen durch Ungarn über die damalige Reichsgrenze nach Eisenstadt und war am Kampf um Wiener Neustadt, im Wienerwald und am Ostrand der Alpen bis zur Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 beteiligt, während dieser Zeit wurden ihm am 04.April 1945 noch als 138. Angehörigen der Wehrmacht die Schwerter zum Eichenlaub des Ritterkreuzes verliehen.
Die Kapitulation führte ihn mit seinen Soldaten für mehrere Jahre in amerikanische Gefangenschaft, aber auch nach seiner Entlassung und Heimkehr in seine Geburtsstadt Hamburg verlor er den Kontakt zu seinen Kameraden nicht, in Hamburg gründete er die erste "Hilfsgemeinschaft auf
Gegenseitigkeit", die spätere HIAG, in der er später Ehrenvorsitzender wurde. Gemeinsam suchte Kumm mit seinen Kameraden in Hamburg Arbeitsplätze für die Heimkehrer, half Hinterbliebenen und Versehrten und setzte sich für die Klärung von Vermisstenschicksalen ein, auch Kontakte zu maßgebenden Politikern nahm der ehemalige Divisionskommandeur der Waffen-SS auf, so folgte er im Jahre 1951 als Hamburger Landessprecher der HIAG mit zwei Kameraden einer Einladung des SPD- Vorsitzenden Dr. Kurt Schumacher (1895 - 1952) zu einem Gespräch in Bonn, an dem auch Herbert Wehner und Annemarie Renger teilnahmen, dieses Gespräch führte dazu, daß Dr. Schumacher den Begriff der Kollektivschuld für die ehemaligen Soldaten der Waffen-SS eindeutig ablehnte und entsprechende Hinweise an die SPD­Gliederungen geben ließ.
Auch beruflich fand der Exsoldat wieder Anschluss, aufgrund seiner zivilen Berufsausbildung und- praxis als Setzer kehrte er ins Druckgewerbe zurück und war 23 Jahre lang Produktionsleiter bei der Burda-Druckerei in Offenburg.
Seiner alten Division setze er ein Denkmal, indem er 1978 unter dem Titel" Vorwärts, Prinz Eugen!" die "Kriegsgeschichte der 7. SS­Gebirgsdivision" veröffentlichte.
Regelmäßig nahm Otto Kumm auch an den Gefallenenehrungen am Ehrenmal der Waffen-SS in Marienfels teil.
Otto Kumm verstarb am 23.03.2004.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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