Heinz Heinrich Reinefarth wurde am 26.12.1903 in
Gnesen/Posen als Sohn des Gerichtsbeamten Fritz Reinefarth geboren.
Nach Besuch der Schulen in Gnesen und Cottbus legte er Ostern 1922 sein Abitur
ab und schrieb sich dann an der Universität Jena zum Jurastudium ein. Nach
Bestehen des Studiums der Rechtswissenschaft, arbeitete er zunächst als
Beisitzer und trat im November 1923 dem Freikorps Oberland bei. Im August wurde
er zum Wehrdienst in die 5. Batterie des Artillerie-Regiments 3 eingezogen und
trat im Jahre 1925 dem Freikorps Bamberg bei, um dann ab 1931 bis 1939 als
Anwalt in der Lausitz und Cottbus zu arbeiten.
Am 01.08.1932 trat er in die NSDAP (Nr.: 1 268 933) ein und gehörte vom 01.09.
bis zum 10.12.1932 zur SA. Zu gleicher Zeit heiratete er. Aus der Ehe entstanden
ein Sohn und eine Tochter. Durch Kurt Daluege angeworben wechselte Reinefarth am
19.12.1932 in die SS Niederlausitz, wo er zunächst den Dienstrang eines
SS-Scharführers bekleidete. Während des Dienstes beim SS-Sturm Niederlausitz am
20.04.1934 zum SS-Untersturmführer befördert, kommt Reinefarth als
Rechtsratgeber in den Stab des SS-Abschnittes XII nach Frankfurt/Oder, wo er am
15.09.1935 zum SS-Obersturmführer und am 20.04.1937 zum SS-Hauptsturmführer
befördert wurde. Mitglied dieses Stabes blieb er formell bis Januar 1942.
Während seiner dortigen Arbeit verteidigte er vornehmlich SS-Angehörige.
Nach einer Reserveübung bei der Artillerie im Jahre 1937, wurde er im September
1939 mobilgemacht und zum Infanterie-Regiment 337, der 208. Infanterie-Division
eingezogen. Während des Krieges zum Feldwebel befördert und zum Zugführer
ernannt, steigt bis zu seiner Verabschiedung aus der Wehrmacht im Jahre 1942 bis
zum Leutnant der Reserve auf. In seiner Zeit als Wehrmachtssoldat verdiente er
sich im Polen-Feldzug das Eiserne Kreuz II. Klasse und im Frankreich-Feldzug das
Eiserne Kreuz I. Klasse, sowie das Ritterkreuz am 25.06.1940 als Feldwebel und
Zugführer in der 14. Kompanie des Infanterie-Regiment 337.
Die Kompanie hatte seit Beginn des Krieges den Panzerschutz des II. Bataillons
des Regiments übernommen. Nachdem am 19.05.1940 (andere Quellen beziehen sich
auf den 28.05.1940) das Tagesziel erreicht war,
suchte mans ich in einem Dorf Quartier für die Nacht, als Reinefarth durch den
Chef der 6. Kompanie auf das Dach eines Hauses gerufen wurde. Dort beobachtete
man zahlreiche Feindbatterien, nebst langer Munitionskolonne, die
augenscheinlich dabei waren einen Stellungswechsel vorzunehmen. Da die Deutschen
in den letzten Tagen immer wieder Störungsfeuer aus Richtung Nieuport erhalten
hatten, konnte es sich augenscheinlich nur um diese Batterien handeln.
Reinefarth erhielt den Befehl aufzuklären wohin sich der Gegner zurückzog.
Reinefarth entschließt sich, zusammen mit seinem Fahrer Ruhle und weiter hinten
folgenden zwei Pak-Geschützen, eine Parallelstrasse zur Feindkolonne zu nutzen,
um vor dieser in der Ortschaft Avecapelle anzukommen. Reinefarth und sein Fahrer
erreichen den Ort und durchfahren ihn vorsichtig, nachdem sie das letzte Haus
passiert hatten, tauchte hinter der nächsten Kurve ein französischer Oberst auf
seinem Pferd auf, der abrupt stehen blieb und ein MG in Stellung brachte,
nachdem er die beiden deutschen Soldaten sah. Die Deutschen forderten die
Kolonne auf, sich zu ergeben, da sie umzingelt sei, woraufhin der Oberst
antwortete das die Kolonne aus ca. 3000 Mann bestünde. In diesem Moment bog eine
der beiden deutschen Pak-Geschütze um die Kurve und der Oberst stieg von seinem
Pferd und ergab sich. Da die Offiziere der frz. Kolonne ihre Magazine im
Strassengraben entluden, bevor sie ihre Waffen übergaben, kam es weiter hinten
in der Kolonne zu Unruhe, da die Soldaten nur die Schüsse hörten und nicht
wussten weshalb geschossen wurde. Reinefarth fuhr daraufhin mit dem Oberst die
Kolonne ab. Da erst wurde Reinefarth bewusst was ihm hier gelungen war. Die
Kolonne, mehr als 5 Kilometer lang, bestand aus zwei Infanterie-Bataillonen,
vier Artillerie-Batterien und einer bespannten Munitionskolonne. Reinefarth war
damit der erste Angehörige der Allgemeinen SS mit dem Ritterkreuz.
Zwischen
beiden Feldzügen, Polen und Frankreich, besuchte er einen Offizierslehrgang in Döberitz.
Während seiner Zeit bei der Wehrmacht wird Reinefarth am 20.04.1940 zum
SS-Obersturmbannführer, am 20.04.1941 zum SS-Standartenführer und am 30.01.1942
zum SS-Brigadeführer befördert.
Er trat, nach seinem Austritt aus der Wehrmacht, aufgrund von schweren
Erfrierungen, als Generalmajor der Polizei bei und arbeitete ab Juni 1942 als
Generalinspekteur der Verwaltung beim stellvertretenden Protektor von Böhmen und
Mähren.
Im Juni 1943 übernahm Reinefarth das Amt "Verwaltung und Recht II" im
Hauptamt der Ordnungspolizei. Danach übernahm er im Oktober 1943 die Führung
einer neu gebildeten Gruppe im Hauptamt Ordnungspolizei bis Dezember 1943.
Nach einer Versetzung zu Wilhelm Koppe nach Polen, wo Reinefarth eingearbeitet
wurde, übernahm er am 29. Januar 1944 den Posten des Höheren SS- und
Polizei-Führers "Warthe" und wurde damit
Nachfolger von SS-Obergruppenführer und General der Polizei Theodor Berkelmann,
der Ende 1943 verstorben war.
Aufgrund der Kommandierung zur Waffen-SS, übernahm sein Stellvertreter Friedrich
Gebhardt die Geschäfte Reinefarths. Dieser wurde am 01.08.1944 zum
SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS ernannt und übernahm im
Januar 1944 auch das Kommando über den SS-Oberabschnitt "Warthe".
Herangezogen zu Kampfkomamndos übernahm er im August eine Kampfgruppe der
Korpsgruppe "Von dem Bach" unter SS-Obergruppenführer
Erich von dem Bach-Zelewski, während der Niederschlagung des Warschauer
Aufstandes, wofür Reinefarth am 30.09.1944 mit dem Eichenlaub ausgezeichnet
wurde. Reinefarth erhielt den Befehl zur Niederschlagung des Warschauer
Aufstandes, wobei ihm zunächst die sogenannte "Posener Gruppe"
unterstellt wurde. Diese Gruppe, 16 Kompanien, bestand zunächst nur aus
Gendarmerie-Einheiten aus Posen, dem Warthelager, Gnesen, Rawitsch, Pabianice,
Lodz, Alexandrowo und anderen Orten. Später wurden die Kompanien, aufgrund der
Verluste und der niedrigen Mannschaftsstärken, auf 12 Kompanien und so auf zwei
Polizei-Regimenter reduziert. Ihr Manko war die geringe Ausstattung mit schweren
Waffen. Am 05.08.1944 hatten diese beiden Regimenter eine Stärke von 2.750 Mann.
Die sich an der Strasse Ulitza Wolska, die Hauptstrasse des Stadtteils Wola,
sammelnden Einheiten bildeten ab dem 05.08.1944 die Kampfgruppe Reinefarth. Zur
Kampfgruppe gehörten dabei bspw. das I. Bataillon Dirlewanger und die Brigade
Kaminski, wobei letztere kaum Munition besaß und schon im Vorfeld der Kämpfe
durch Plünderungen auffiel. Der am 05.08.1944 beginnende deutsche Angriff war
schlecht geplant und basierte auf grober Fehleinschätzung des polnischen
Gegners. Der Angriff der Brigade Kaminski, in Ochota, wurde von Reinefarth über
Funk geführt. Sicherlich ein Versuch die Brigade auf eine gewisse Art zu lenken
und somit zu verhindern, daß die Angehörigen dieser Truppe ihrem Ruf gerecht
wurden. Mit Ende des 05.08. verbuchten die dt. Truppen einen Geländegewinn von
nur einigen 100 Metern. Der 05.08.1944 jedoch ging als grausiges Fanal in den
Warschauer Aufstand, ja auch des 2. Weltkriegs ein. Denn durch die Quälereinen
und Morde der Brigade Dirlewanger und Kaminski, sowie anderer bisher nicht
festgestellter Einheiten, versteifte sich der Widerstand der polnischen
Aufständischen. Man ging deutscherseits dazu über sämtliche Bewohner eines
jeweiligen Hauses, auch außerhalb des Kampfraumes, aus den Wohnungen zu treiben
und diese nach "hinten" zu schicken. Nach wenigen 100 Metern befanden
sich die Menschen jedoch nicht in erwarteten Sammellagern, sondern auf
Massenexekutionsplätzen. Dort wurde jeder durch Genickschuss oder MG,
erschossen, ohne Rücksicht auf Kinder, Frauen oder Greise. Besonders abscheulich
handelte dabei die Brigade Kaminski bspw. im Radium-Institut Curie-Sklodowska in
Ochota. Gegen 11.00 Uhr besetzten Kaminski-Leute die Stationen mit vorwiegend
krebskranken Frauen. Die Mehrzahl von ihnen wurden zusammen mit ihren
Pflegerinnen vergewaltigt und dann in ihren Betten erschossen. Durch diese
Aktionen flüchteten die Warschauer in die Innenstadt, zu den Aufständischen und
wussten das es jetzt nur noch eine Entscheidung zwischen einem siegreichen
Aufstand oder den Tod geben konnte. Dadurch begann sich der Aufstand auch auf
die Zivilbevölkerung zu übertragen, was vorher nicht so war. Eine weitere Folge
dieser Exekutionen war auch die Erschießung vom fremdländischen deutschen
Soldaten. Sahen sie aus wie Ukrainer der Brigade Kaminski wurde kurzer Prozess
gemacht. Dabei gerieten bspw. auch Hilfswillige Russen, anderer Einheiten, die
nicht an Erschießungen teilgenommen hatten, in die Hände der Aufständischen und
wurden erschossen. Außerdem ging man auch dazu über sämtliche SS- und
Polizei-Angehörige zu erschießen und behielt nur Wehrmachtsangehörige zum Zweck
der Auslieferung.
Diese Punkte erkennend befahl Bach-Zelewski am Abend des 05.08. das Einstellen
der Massenerschießungen. Erst viel später erließ Reinefarth ein
Plünderungsverbot in der Innenstadt.
Am 06.08. erfolgte der zweite Angriff der dt. Einheiten, die mittlerweile weiter
verstärkt wurden. Die südliche Angriffsgruppe bestand aus einem Kosaken-Regiment
der Brigade Kaminski, mit vier T-34 und 1 sowjet. Sturmgeschütz. Die mittlere
Gruppe, Reinefarth persönlich unterstellt, bestand aus zwei Bataillonen
Dirlewanger, Teilen des Aserbaidschanischen Bataillon Bergmann, jeweils einer
Polizei-Kompanie aus Posen und Litzmannstadt, sowie aus jeweils einer Kompanie
Feldgendarmerie aus Weichselstädt, Pabianice, sowie aus der Gendarmerieschule
Weichselstädt. Die nördliche Gruppe bestand aus 3 Schützen-Kompanien und einer
Kompanie der SS-Führerschule Braunschweig. An Reserven standen bereit das
Sicherungs-Regiment 608, das Feldersatz-Bataillon "Herman Göring" und 6
Feldgendarmerie-Kompanien. In Zuführung befand sich die SS-Brigade "Siegling".
Im Zuge des Angriffs stiess Reinefarth persönlich, mit zwei Panzerspähwagen, bis
zum Palais Brühl vor, wo der Wehrmachtsbefehlshaber Warschau Stahel seit Tagen
eingeschlossen war. Doch galt dieser Vorstoß zunächst nur der
Verbindungsaufnahme und dem Austausch von Vorgehensmaßnahmen. Eine dauerhafte
Verbindung erfolgte erst mit dem Vorstoß der Brigade Dirlewanger in den
Sächsischen Garten am 08.08.1944. Weiterhin hatte dieser Vorstoß zur Folge, das
die Aufständischen nun in mehrere Gebiete aufgesplittert wurden. Die Gruppen
Mitte und Nord verbuchten, wenn auch unter hohen Verlusten, erste Erfolge. Die
Gruppe Süd hingegen scheiterte fast total. Die 9. Armee konstatierte am
05.08.1944 das sich die Brigade bis zur Machorka-Fabrik "durchgesoffen"
habe. Auch in den nächsten Tagen brachte der Einsatz der Brigade keine Erfolge.
Da diese E8inheit der 9. Armee suspekt vorkam, hörte sie den Funkverkehr
zwischen der Brigade und Reinefarth ab. Darin zeigte sich das die Kaminski-Leute
ständig nach Ausflüchten suchten, um das Misslingen zu erklären. Weiterhin kam
es zu Vergewaltigungen deutscher KdF-Mädchen durch Angehörige dieser Brigade.
Unter Reinefarths Kommando wurden innerhalb von zwei Tagen im Stadtteil Wola
50.000 Menschen erschossen. Ihm waren dabei die berüchtigten Einheiten Kaminski
und Dirlewanger unterstellt. Seither gilt Reinefarth auch als der "Henker von
Warschau".
Bach-Zelewski schreibt 1947 in einem bericht über den Warschauer Aufstand über
reinefarth, das dieser kein Berufsoffizier sei. Aufgrund seines persönlichen
Werdeganges war er nie im Stande gewesen hohe militärische Kommandos
auszuführen, weiterhin fehle ihm jegliche taktische Schulung. Dennoch bewies er
Tapferkeit und war seinen Soldaten ein guter Kamerad, was dazu führte das
aufgrund fehlender Distanz Reinefarth manchmal sehr hart zu seinen Soldaten sein
musste. Die Führungsarbeiten seiner Kampfgruppe wurden vornehmlich von seinem Ia
Major der Polizei Fischer ausgeführt. Gegenüber Dirlewanger und Kaminski war
Reinefarth eindeutig ablehnend ja fast voller Hass. bei einer der wenigen
Zusammenkünfte zwischen Dirlewanger und Reinefarth kam es fast zu einem Duell.
Gleichzeitig führte er den Stab des Volkssturms im Gau Wartheland an und
übernahm das Kommando über das XVIII. SS-Armee-Korps, während der Aufstellung am
Rhein. Abgelöst wurde er im Februar 1945 durch Georg Keppler. Reinefarth
hingegen übernahm Ende Januar 1945 das Kommando über die Festung Küstrin bis
März 1945, als Nachfolger des Generals Adolf Raegener, um dann der Nachfolger
Bach-Zelewskis, als Kommandierender General des XIV. SS-Armee-Korps zu werden.
Für die Übergabe der Festung Küstrin wurde Reinefarth auf Befehl Hitlers
arrestiert und verurteilt, doch gab es keinen Richterspruch. Letztendlich brach
er mit 800 Mann aus der Festung aus und rettete diese so für weitere Einsätze.
Er war der Meinung das ohne ausreichenden Munitionsnachschub das Halten der
Festung ein sinnloses Opfer gewesen wäre.
Reinefarth selbst erhielt daraufhin dennoch kein Kommando mehr. Er gilt heute
als einer der gebildetste, intelligenteste und tapferste Höhere SS- und
Polizei-Führer, der später ein Armee-Korps kommandierte und als
Unteroffiziersdienstgrad das Ritterkreuz erwarb.
Am 01.05.1945 durch die Alliierten gefangen genommen und im Jahre 1948
entlassen, wurde er im Nachkriegsdeutschland Bürgermeister auf Westerland-Sylt
von 1951 bis 1964 und war von 1958 bis 1962 Abgeordneter im Landtag
Schleswig-Holsteins für die GB/BHE. Außerdem war er Kreistagsabgeordneter und
Mitglied des Kreisausschusses Südtondern, Mitglied
des Landesvorstandes GB/BHE (Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten), Mitglied
im Vorstand der Arbeitsrechtlichen Vereinigung und des Fremdenverkehrsverbundes
Nordmark, sowie Vorsitzender des Ortsausschusses Sylt der Deutschen Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger und der DLRG Westerland. Nach 1967 arbeitete er als
Anwalt und ging mit einer Generals-Rente in die Pension.
Heinz Reinefarth verstarb am 07.05.1979 in Westland auf der Insel Sylt, nachdem
Polen zahlreiche Auslieferungsanträge stellte, die von der Bundesregierung
abgelehnt wurden.