
Ritterkreuzträger Friedrich Suhr
SS-Sturmbannführer, Sicherheitspolizei








Friedrich Suhr wurde am 06.05.1907 in Lüneburg als
Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Er nahm nach seiner schulischen Ausbildung
ein Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen und Freiburg auf und
und promovierte zum Dr. jur..
Suhr trat am 01.02.1933 der SS mit der Mitgliedsnummer 65.824, sowie am
01.05.1933 der NSDAP mit der Mitgliedsnummer 2.623.241 bei. Mit Meldung vom
15.08.1937 gehörte er zur Dienststelle IF im SiPo-Hauptamt und wurde im Juli
1939 zum Berater des Kommandeurs der Sicherheitspolizei in Prag ernannt.
Im Mai 1940 wechselte er als Leiter und Nachfolger des SS-Sturmbannführers
Paul Mylius in das Referat II A-3, dem Referat für Justitiarangelegenheiten,
Schadensersatzansprüche, des Reichs-Sicherheitshauptamts, wo er
angeblich u.a. in Vertretung die Leitung des Amts II, dem späteren Amt VII,
übernimmt. Leiter des Amtes war zu dieser Zeit SS-Obergruppenführer Werner
Best. Weiterhin übernimmt er die Vertretung der Geschäfte des SS-Oberführers
Dr. Six, der sich zu dieser Zeit bei der Waffen-SS befand. Außerdem nimmt er
an einem Koloniallehrgang in Berlin und Rom teil.
Als Regierungsrat, Rechtsanwalt und Justiziar gehörte er ab März 1941 auch
weiterhin zum RSHA, wechselt aber im Juli 1941 in die Gruppe IV B im
Judenreferat, wo er als Dachgebietsleiter dem Referat IV B 4 unter Adolf
Eichmann angehört. Er ist damit maßgeblich an der "Regelung" der
europäischen Judenfrage im Ausland beteiligt.
Am 18.10.1941 vertritt er den verhinderten Eichmann, zusammen mit
Rademacher, dabei bspw. in Belgard, wo er prüfen soll, ob die Abschiebung
von 8.000 jüdischen Bürgern, wie von der Gesandtschaft gefordert, nicht vor
Ort "geregelt" werden könne. Vor Ort stellte er allerdings fest, das
der Bevollmächtigte Kommandierende General in Serbien
Franz Böhme, die "Lösung des Problems" bereits selbst
herbeigeführt hatte.
Am 29.01.1942 ist Suhr Teilnehmer einer Besprechung im Ostministerium.
Gegenstand dieser Besprechung war der Entwurf einer "Verordnung über die
Bestimmung des Begriffs Jude in den besetzten Ostgebieten". Ergebnis der
Besprechung war, dass derjenige als Jude gelte, der der jüdischen Religion
angehöre oder mindestens einen der jüdischen Religion angehörenden
Elternteil besitze. Eine Festsetzung der Religionszugehörigkeit sollte auf
Basis der geringsten Anzeichen dafür gelten. Auf die Titulierung als "jüdischer
Mischling", wie bspw. in Deutschland üblich, wurde dabei verzichtet.
Ebenso ist er am 27.10.1942 Teilnehmer einer Folgebesprechung der
Wannsee-Konferenz im Referat IV B 4.
Im November 1942 wird er zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD
Shitomir kommandiert, wo er u.a. die Leitung der Befehlsstelle der SiPo und
des SD in Owrutsch in der Ukraine übernimmt. Mglw. hängt diese "Strafversetzung"
mit der schweren seelischen Belastung im Eichmannreferat zusammen.
Allerdings sollte sich zeigen, dass Suhr in seiner neuen Dienststellung,
nicht mehr als Schriebtischtäter auftrat, sondern nun vielmehr als aktiver
Täter. Weiterhin ist er vom 15.11. bis zum 10.12.1942 beim Kommandeur der
Sicherheitspolizei und des SD Tschernigow eingesetzt. Suhr nimmt an
verschiedenen Bandeneinsätzen teil. Weiterhin wird er im gleichen Monat mit
dem Kommando über das Sonderkommando 4b der Einsatzgruppe C ernannt. Bis
August 1943 nimmt er dabei mindestens an 66 Gefechten teil, wovon ihm
mindestens 50 als Nahkämpfe angerechnet wurden. Dabei wird er am 18.05.1943
beim Gefecht im Raum Wjashischtsche verwundet, bleibt aber weiterhin im
Einsatz.
Im August 1943 übernimmt Suhr dann das Kommando über das Einsatzkommando 6
der Einsatzgruppe C und nimmt dann mindestens an drei weiteren Gefechten
teil.
Im November 1943 steht er zunächst zur Verfügung des RSHA und wird am
05.12.1943 zum Kommandeur der SiPo und des SD in Toulouse ernannt. In dieser
Zeit nimmt er vom 19.08.1944 bis zum 28.08.1944 an 12 weiteren "Bandeneinsätzen"
teil, wovon ihm 10 als Nahkämpfe anerkannt werden. Suhr war damit an den
Kämpfen gegen die nationalen und kommunistischen Widerstandsbewegungen in
der Region beteiligt.
Am 21.10.1944 wird er durch den SS-Obergruppenführer und General der Polizei
Oberg für die Rückzugskämpfe von Toulouse nach Nordfrankreich zum Deutschen
Kreuz in Gold vorgeschlagen. Der Vorschlag geht am 03.11.1944 beim
Kommandostab des RFSS ein, wo man den Vorschlag zur Verleihung des
Ritterkreuzes abändert. Suhr übernahm die Führung einer Kampfgruppe zu einem
Zeitpunkt, als sich ein Oberst in seinen Augen als unfähig erwies. Suhr
hielt die Kampfgruppe, der auch zahlreiche weibliche Personen angehörten,
zusammen, obwohl die zahlreichen Offiziere des Heeres und der Marine
angeblich kopflos und uneinheitlich reagierten. Führer und Mannschaften
seines eigenen Kommandos verteilte er auf die verschiedenen Einheiten und
sicherte sich dadurch seinen Einfluss. Vom 19.08. bis zum 25.08.1944 kämpfte
er mit seiner Kampfgruppe die Straße von Bagnols nach Baix, gegen u.a. mit
sMG, Granatwerfern und leichten Geschützen ausgerüsteten Banden frei und
erzwang trotz stärkster Gegenwehr die Einnahme des Ortes Baix, 25 km südlich
Valence. Am 22.08.1944 befahl er aus eigenem Entschluss den Übergang über
die Rhone, ließ unter technischen Schwierigkeiten eine Fähre bauen. Trotz
ständiger Luftangriffe und trotz Bandengriffe auf den Drahtseilmast der
Fähre, gelingt es ihm in nur zwei Tagen seine Kampfgruppe überzusetzen. Suhr
sicherte die Fährstelle weiterhin so lange, bis Wehrmachtseinheiten Baix
erreichten und übergab diesen dann die betriebsfähige Fähre. Damit war es
ihm zu verdanken, dass seine Kampfgruppe und weitere Einheiten sicher das
Ostufer erreichten und so schwere Verluste oder Gefangenschaft verhindert
werden konnten. Die dadurch geretteten Einheiten konnten anschließend in der
späteren Auffangstellung als Verteidigungskräfte eingesetzt werden. Im
Anschluss des Übersetzens folgten noch Gefechte bei St. Rambert,
Villefranche, Belleville, bei Macon und bei Tournus bis zum Erreichen der
Stadt Valence, wo die fremden Einheiten aus der Kampfgruppe ausschieden. Von
dort aus führte Suhr sein Kommando über Lyon nach Vittel und nahm dort seine
eigentliche Aufgabe wieder war, bis er schließlich am 08.09.1944 den Posten
des Befehlshabers der SiPo und des SD in Frankreich übernahm.
Seine Kampfgruppe bestand dabei aus folgenden Einheiten:
Marine-Sicherungsabschnitt III
Flieger-Regiment 71
Gefängnisverwaltung Toulouse
Einheiten der Organisation Todt
Stab/Feld-Nachrichten-Kommandantur 69
Feld-Nachrichten-Kommandantur 47/644
Berge-Kompanie 30
Schlächtereikompanie Toulouse
Technische Kompanie
Abwehrstelle Toulouse
Fahrschule Marbonne
Ordnungspolizei
Generalkonsulat Toulouse
Miliz
Feldkommandantur Toulouse
Reichsbahn
Festungspioniere
Flugmeldetrupp 23
Feld-Ausbildungs-Bataillon 16
Kriegslazarett Toulouse
Militärzensur
sowie weitere Soldaten verschiedenster Einheiten
Am 01.12.1944 wird er dann zum SS- und Polizei-Führer
"Ober-Elsaß" ernannt. Suhr geriet bei Kriegsende in alliierte
Gefangenschaft und wurde u.a. in das Gefängnis Bendahl in
Wuppertal-Elberfeld verlegt, wo er sich am 31.05.1946 das Leben nahm. Aus
der Ehe mit Frau Gretel Suhr gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.
Suhr gehörte nie zur Waffen-SS, sondern bekleidete immer einen Rang der
Polizei bzw. der Allgemeinen SS.