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Ritterkreuzträger Johann Thaler
SS-Oberscharführer, Panzertruppe

   
Jeder 5. Träger der höchsten deutschen
Tapferkeitsauszeichnung des II. Weltkrieges (19,8% von 7318) war ein
Angehöriger des Unteroffizierstandes- vom Unteroffizier bis zum
Stabsfeldwebel, von diesen 1448 höchstdekorierten Unteroffizieren waren 75
Soldaten der Waffen-SS. Einer von ihnen ist der in Tirol beheimatete
Oberscharführer (= Feldwebel) Johann Thaler gewesen.
Johann (Hans) Thaler wurde am 6. Februar
1920 in dem Dörfchen Breitenbach südwestlich von Kufstein geboren. Als Sohn
eines Bergbauers erlebte er mit drei Geschwistern eine entbehrungsreiche
Jugend. Nach Entlassung aus der Dorfschule musste er schon früh durch Hilfsarbeiten auf Baustellen einen Beitrag zum
Unterhalt der Familie leisten.
Mit knapp 20 Jahren meldete sich »Hans« Thaler 1940 als
Kriegsfreiwilliger zur Waffen-SS und kam nach der Ausbildung zum Panzerfahrer
beim SS-Panzer-Ausbildungs-und-Ersatz-Regiment Beneschau, bei der 6. Kompanie des Panzerregiments 2 im Rahmen der 2. SS-Panzergrenadier-(später Panzer-) Division »Das Reich« an der Ostfront
zum Einsatz.
Diese erfolgreichen Einsätze schlugen sich in einer
überdurchschnittlich hohen Zahl von Ritterkreuzverleihungen ebenso nieder wie
in eindrucksvollen Erwähnungen in den Berichten des Oberkommandos der
Wehrmacht (OKW), so hieß es z.B. im OKW-Bericht vom 27.
August 1943:
»Bei den schweren Kämpfen im Raum um
Charkow hat sich die SS-Panzergrenadierdivision »Das Reich« in Angriff und
Abwehr besonderen Ruhm erworben. Die Division schoss allein innerhalb von
35 Kampftagen 1000 feindliche Panzer ab.«
Schon wenige Monate später am 6. November 1943 - wurde diese Erfolgsmeldung
noch durch folgende Bekanntgabe überboten:
»Zwischen Krementschug und Kiew
warfen unsere Truppen die Sowjets von einigen Dnjepr-Inseln und schlugen
wiederholte feindliche Angriffe in der Dnjeprschleife südöstlich Kiew ab.
In diesen Kämpfen vernichtete die SS-Panzergrenadier-Division "Das Reich"
seit Beginn dieses Jahres den 2000. feindlichen Panzer.«
Das waren jene Panzerschlachten, in denen Johann Thaler
alle Höhen und Tiefen des Krieges im Osten erlebte und bewies, daß er mehr
konnte, als nur einen Panzer im Gefecht nach den Weisungen seines Kommandanten
zu fahren.
Inzwischen hatte er es
schon bis zum Unterscharführer (= Unteroffizier) gebracht und war während des
Winterfeldzuges Fahrer des späteren Ritterkreuzträgers SS-Untersturmführer
Worthmann. So fuhren beide einen Angriff gegen eine Front bestehend aus 22
gegnerischen Pak. Nach einem Treffer am Panzer brach der Steuerknüppel,
wodurch der Panzer nur noch bedingt manövrierfähig war. Thaler fuhr dennoch so
weiter, das die gesamte Pakfront aufgerieben werden konnte. Nachdem der Panzer
abgeschossen wurde, wobei Thaler leicht verwundet wurde, konnte er dennoch
seinen Kommandanten bergen, der am Laufwerk des Panzers hängen geblieben war.
Für diesen Einsatz erhielt Worthmann am 31.03.1943 das Ritterkreuz und Thaler
das Eiserne Kreuz II. Klasse. Thaler hatte sich im Vorfeld dieses Einsatzes
eine Entzündung am linken Arm zugezogen. Der Arzt empfahl das Stilllegen des
Armes, da ansonsten die Gefahr einer Blutvergiftung bestand. Obwohl für Thaler
bereits ein Reservefahrer eingeteilt wurde, fuhr er dennoch den Einsatz
selbst. Da er nur seinen rechten Arm nutzen konnte, bediente er Schaltgetriebe
und beide Bremsen mit nur einem Arm, was eine außerordentliche Beanspruchung
bedeutete.
Bei einem Einsatz ostwärts Belechinina wurde Thaler am 14.07.1943 verwundet.
Beim Angriff nördlich Lutschki schoss der Panzer Thalers erneut 4 Panzer ab,
wobei Thaler als Fahrer den Gegner verblüffte indem er seinen Panzer immer
direkt auf den Gegner stürzen ließ. Dafür erhielt Thaler das Eiserne Kreuz I.
Klasse.
Dem folgte vier
Monate später die Meldung, dass dem SS-Unterscharführer
Johann Thaler, Panzerfahrer in der 6. Kompanie des SS-Panzerregiments 2
»Das Reich«, am 14. 8. 1943 das
Ritterkreuz verliehen wurde. Eingereicht wurde der Vorschlag am 18.07.1943 und
vom Regimentskommandeur am 22.07.1943 befürwortet.
Als einer von fast 70 Ritterkreuzträgern dieser kampfbewährten Division befand
sich damit der einfache Panzerfahrer und ehemalige Bauhilfsarbeiter aus einem
nahezu unbekannten Nordtiroler Dörfchen in einer illustren
Ordensträger-Gesellschaft, zu der Männer gehörten, die als Armeeführer,
Kommandierende Generale und Divisionskommandeure in die Geschichte des
II. Weltkrieges eingegangen sind. Zu nennen wären dabei u.a,
der einstige Reichswehr-Generalleutnant, erster Kommandeur der Division »Das
Reich« und spätere Generaloberst der Waffen-SS
Paul
Hausser sowie Wilhelm Bittrich,
Heinz Harmel, Georg Keppler, Matthias Kleinheisterkamp,
Walter Krüger, Otto Kumm, Heinz Lammerding, Felix
Steiner und Fritz Witt.
Über die Tat die zur Verleihung des
Ritterkreuzes an Johann Thaler führte, steht in im Verleihungsvorschlag zum
Ritterkreuz folgendes zu lesen:
"Im Angriff von Teterewino auf
Grasnoje und Kotschetowka fuhr Thaler ohne jede Hemmung mit
Höchstgeschwindigkeit gegen den Feind und ermöglichte somit das
Abschneiden und die Vernichtung von 17 Feindpanzern. Nachdem bereits 3
Feindpanzer abgeschossen waren, erhielt der eigene Wagen einen schweren
frontalen Treffer, der zum Bruch des Gasgestänges führte. Auf die Frage
des Kommandanten "Ist alles in Ordnung?", meldete Thaler zurück "Der Wagen
fährt.". Er riss die Verschalung , in der das Gasgestänge zum Motor
geführt wird, ab und bediente das Gasgestänge unter äußerster
Kraftanstrengung mit beiden Händen. Um - während er eine Hand für
Schaltgetriebe und Lenkbremse benötigte - den Motor auf Touren halten zu
können, klemmte Thaler das Gasgestänge mit der linken Hand fest. . Hierbei
zog sich Thaler schwere Quetschungen an der linken Hand zu, so dass es
einer übermenschlichen Energie bedurfte, immer wieder die verletzte Hand
in das Gasgestänge einzuklemmen.
Es gelang ihm trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten den Waagen so zu
fahren, dass es dem Kommandanten möglich war, noch weitere 7 Panzer
abzuschießen. Nach Abschuss des 10. Panzers wurde auf die kurze Entfernung
von etwa 75 - 100m eine Front von 4 Pak erkannt. Thaler fuhr auch diesen
Angriff noch mit äußersten Schneid unter außerordentlich schwierigen
Verhältnissen . Zwei Pak konnten vernichtet werden, zwei weitere waren so
überrascht, dass die Besatzung nicht zum Schiessen kam.
Das Verdienst hierfür trägt Thaler, der dies durch seine schnelle
Drauflosfahrt ermöglichte. Erst nach dem Gefecht machte Thaler Meldung,
dass der Wagen nicht einsatzbereit war und ließ sich verbinden.
Durch seinen selbstständigen Entschluss weiterzufahren, obgleich der
Panzer nicht mehr einsatzbereit war und seinen dabei gezeigten unerhörten
Schneid hat Thaler mit dazu beigetragen, dass alleine von diesem Wagen 10
Panzer und 4 Pak vernichtet werden konnten.
Er ist damit ausschlaggebend am Erfolg der Kompanie beteiligt, die
insgesamt 30 Panzer in diesem Gefecht abschoss."
Die erwähnten Kämpfe um
Charkow trugen übrigens auch dazu bei, dass dem damaligen Kommandierenden
General des SS-Panzerkorps, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS
Paul Hausser (1880 - 1972), am 28.7.43
das 261. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen wurde. Ebenso konnte sich der damalige Kommandeur der
SS-Panzergrenadierdivision »Das Reich«, SS-Gruppenführer und
Generalleutnant der Waffen-SS Walter Krüger(1890-1945),
mit dem 286. Eichenlaub auszeichnen.
Im Zusammenhang mit der
Ritterkreuz-Verleihung wurde Thaler zum Oberscharführer (Feldwebel) befördert.
Am 7.April 1945 starb er als Panzerkommandant in den Straßenkämpfen zur
Verteidigung der österreichischen Hauptstadt Wien den Soldatentod. Er wurde
nur 25 Jahre alt.
Am 6. Februar des Millennium-Jahres 2000 hätte er die 80. Wiederkehr seines
Geburtstages feiern können.
EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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