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Ritterkreuzträger Johann Thaler
SS-Oberscharführer, Panzertruppe

07.04.1943

Jeder 5. Träger der höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung des II. Weltkrieges (19,8% von 7318) war ein Angehöriger des Unteroffizierstandes- vom Unteroffizier bis zum Stabsfeldwebel, von diesen 1448 höchstdekorierten Unteroffizieren waren 75 Soldaten der Waffen-SS. Einer von ihnen ist der in Tirol beheimatete Oberscharführer (= Feldwebel) Johann Thaler gewesen.
Johann (Hans) Thaler wurde am 6. Februar 1920 in dem Dörfchen Breitenbach südwestlich von Kufstein geboren. Als Sohn eines Bergbauers erlebte er mit drei Geschwistern eine entbehrungsreiche Jugend. Nach Entlassung aus der Dorfschule musste er schon früh durch Hilfsarbeiten auf Baustellen einen Beitrag zum Unterhalt der Familie leisten.
Mit knapp 20 Jahren meldete sich »Hans« Thaler 1940 als Kriegsfreiwilliger zur Waffen-SS und kam nach der Ausbildung zum Panzerfahrer beim SS-Panzer-Ausbildungs-und-Ersatz-Regiment Beneschau, bei der 6. Kompanie des Panzerregiments 2 im Rahmen der 2. SS-Panzergrenadier-(später Panzer-) Division »Das Reich« an der Ostfront zum Einsatz.
Diese erfolgreichen Einsätze schlugen sich in einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Ritterkreuzverleihungen ebenso nieder wie in eindrucksvollen Erwähnungen in den Berichten des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), so hieß es z.B. im OKW-Bericht vom 27. August 1943:

»Bei den schweren Kämpfen im Raum um Charkow hat sich die SS-Panzergrenadierdivision »Das Reich« in Angriff und Abwehr besonderen Ruhm erworben. Die Division schoss allein innerhalb von 35 Kampftagen 1000 feindliche Panzer ab

Schon wenige Monate später am 6. November 1943 - wurde diese Erfolgsmeldung noch durch folgende Bekanntgabe überboten:

»Zwischen Krementschug und Kiew warfen unsere Truppen die Sowjets von einigen Dnjepr-Inseln und schlugen wiederholte feindliche Angriffe in der Dnjeprschleife südöstlich Kiew ab. In diesen Kämpfen vernichtete die SS-Panzergrenadier-Division "Das Reich" seit Beginn dieses Jahres den 2000. feindlichen Panzer.«

Das waren jene Panzerschlachten, in denen Johann Thaler alle Höhen und Tiefen des Krieges im Osten erlebte und bewies, daß er mehr konnte, als nur einen Panzer im Gefecht nach den Weisungen seines Kommandanten zu fahren.
Inzwischen hatte er es schon bis zum Unterscharführer (= Unteroffizier) gebracht und war während des Winterfeldzuges Fahrer des späteren Ritterkreuzträgers SS-Untersturmführer Worthmann. So fuhren beide einen Angriff gegen eine Front bestehend aus 22 gegnerischen Pak. Nach einem Treffer am Panzer brach der Steuerknüppel, wodurch der Panzer nur noch bedingt manövrierfähig war. Thaler fuhr dennoch so weiter, das die gesamte Pakfront aufgerieben werden konnte. Nachdem der Panzer abgeschossen wurde, wobei Thaler leicht verwundet wurde, konnte er dennoch seinen Kommandanten bergen, der am Laufwerk des Panzers hängen geblieben war. Für diesen Einsatz erhielt Worthmann am 31.03.1943 das Ritterkreuz und Thaler das Eiserne Kreuz II. Klasse. Thaler hatte sich im Vorfeld dieses Einsatzes eine Entzündung am linken Arm zugezogen. Der Arzt empfahl das Stilllegen des Armes, da ansonsten die Gefahr einer Blutvergiftung bestand. Obwohl für Thaler bereits ein Reservefahrer eingeteilt wurde, fuhr er dennoch den Einsatz selbst. Da er nur seinen rechten Arm nutzen konnte, bediente er Schaltgetriebe und beide Bremsen mit nur einem Arm, was eine außerordentliche Beanspruchung bedeutete.
Bei einem Einsatz ostwärts Belechinina wurde Thaler am 14.07.1943 verwundet.
Beim Angriff nördlich Lutschki schoss der Panzer Thalers erneut 4 Panzer ab, wobei Thaler als Fahrer den Gegner verblüffte indem er seinen Panzer immer direkt auf den Gegner stürzen ließ. Dafür erhielt Thaler das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Dem folgte vier Monate später die Meldung, dass dem SS-Unterscharführer Johann Thaler, Panzerfahrer in der 6. Kompanie des SS-Panzerregiments 2 »Das Reich«, am 14. 8. 1943 das Ritterkreuz verliehen wurde. Eingereicht wurde der Vorschlag am 18.07.1943 und vom Regimentskommandeur am 22.07.1943 befürwortet.
Als einer von fast 70 Ritterkreuzträgern dieser kampfbewährten Division befand sich damit der einfache Panzerfahrer und ehemalige Bauhilfsarbeiter aus einem nahezu unbekannten Nordtiroler Dörfchen in einer illustren Ordensträger-Gesellschaft, zu der Männer gehörten, die als Armeeführer, Kommandierende Generale und Divisionskommandeure in die  Geschichte des II. Weltkrieges eingegangen sind. Zu nennen wären dabei u.a, der einstige Reichswehr-Generalleutnant, erster Kommandeur der Division »Das Reich« und spätere Generaloberst der Waffen-SS Paul Hausser sowie Wilhelm Bittrich, Heinz Harmel, Georg Keppler, Matthias Kleinheisterkamp, Walter Krüger, Otto Kumm, Heinz Lammerding, Felix Steiner und Fritz Witt.
Über die Tat die zur Verleihung des Ritterkreuzes an Johann Thaler führte, steht in im Verleihungsvorschlag zum Ritterkreuz folgendes zu lesen:

"Im Angriff von Teterewino auf Grasnoje und Kotschetowka fuhr Thaler ohne jede Hemmung mit Höchstgeschwindigkeit gegen den Feind und ermöglichte somit das Abschneiden und die Vernichtung von 17 Feindpanzern. Nachdem bereits 3 Feindpanzer abgeschossen waren, erhielt der eigene Wagen einen schweren frontalen Treffer, der zum Bruch des Gasgestänges führte. Auf die Frage des Kommandanten "Ist alles in Ordnung?", meldete Thaler zurück "Der Wagen fährt.". Er riss die Verschalung , in der das Gasgestänge zum Motor geführt wird, ab und bediente das Gasgestänge unter äußerster Kraftanstrengung mit beiden Händen. Um - während er eine Hand für Schaltgetriebe und Lenkbremse benötigte - den Motor auf Touren halten zu können, klemmte Thaler das Gasgestänge mit der linken Hand fest. . Hierbei zog sich Thaler schwere Quetschungen an der linken Hand zu, so dass es einer übermenschlichen Energie bedurfte, immer wieder die verletzte Hand in das Gasgestänge einzuklemmen.
Es gelang ihm trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten den Waagen so zu fahren, dass es dem Kommandanten möglich war, noch weitere 7 Panzer abzuschießen. Nach Abschuss des 10. Panzers wurde auf die kurze Entfernung von etwa 75 - 100m eine Front von 4 Pak erkannt. Thaler fuhr auch diesen Angriff noch mit äußersten Schneid unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen . Zwei Pak konnten vernichtet werden, zwei weitere waren so überrascht, dass die Besatzung nicht zum Schiessen kam.
Das Verdienst hierfür trägt Thaler, der dies durch seine schnelle Drauflosfahrt ermöglichte. Erst nach dem Gefecht machte Thaler Meldung, dass der Wagen nicht einsatzbereit war und ließ sich verbinden.
Durch seinen selbstständigen Entschluss weiterzufahren, obgleich der Panzer nicht mehr einsatzbereit war und seinen dabei gezeigten unerhörten Schneid hat Thaler mit dazu beigetragen, dass alleine von diesem Wagen 10 Panzer und 4 Pak vernichtet werden konnten.
Er ist damit ausschlaggebend am Erfolg der Kompanie beteiligt, die insgesamt 30 Panzer in diesem Gefecht abschoss."

Die erwähnten Kämpfe um Charkow trugen übrigens auch dazu bei, dass dem damaligen Kommandierenden General des SS-Panzerkorps, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Paul Hausser (1880 - 1972), am 28.7.43 das 261. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen wurde. Ebenso konnte sich der damalige Kommandeur der SS-Panzergrenadierdivision »Das Reich«, SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Walter Krüger(1890-1945), mit dem 286. Eichenlaub auszeichnen.
Im Zusammenhang mit der Ritterkreuz-Verleihung wurde Thaler zum Oberscharführer (Feldwebel) befördert.
Am 7.April 1945 starb er als Panzerkommandant in den Straßenkämpfen zur Verteidigung der österreichischen Hauptstadt Wien den Soldatentod. Er wurde nur 25 Jahre alt.
Am 6. Februar des Millennium-Jahres 2000 hätte er die 80. Wiederkehr seines Geburtstages feiern können.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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